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Humor ist ansteckend. Lachen ist infektiös. Und beide sind gut für Ihre Gesundheit!

Der Unterhaltungsaspekt des Humors ist wichtig. Aber die Bedeutung des Humors ist weiter gefasst. Sie bezieht sich auf die Ermöglichung einer qualitativen Verbesserung sowohl des persönlichen Lebens wie auch der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dabei sind verschiedene Aspekte von Bedeutung: Zunächst sind es solche, die für die physische Gesundheit von Belang sind, die sich mithin auf die Funktionsabläufe im Körper beziehen. Des weiteren handelt es sich um Aspekte, die sich auf die geistigen, emotionalen, also psychologisch relevanten Funktionen des Menschen beziehen. Und schließlich stehen diese Aspekte mit sozialen Fähigkeiten in Zusammenhang, denn der Humor ermöglicht eine Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen, indem er das kooperative und produktive Zusammenwirken von Gruppen fördert.

Der psychische Aspekt

Der Humor besitzt die Kraft, die psychischen Funktionen des Menschen zu fördern. Wir Menschen sind die unwillkürlichen und unglücklichen Opfer dessen, was ich als negative Emotionen“ bezeichnen. Die drei allgemeinsten und markantesten negativen Emotionen sind: Furcht, Ärger und Depression. Sie alle können durch Humor aufgehalten, coupiert, vermindert oder ganz aufgelöst werden.

Furcht ist die natürliche emotionale Reaktion auf bedrohliche Lebenssituationen. Sie kann verschiedene Formen annehmen. Einige sind realitätsbezogen, einige eingebildet oder neurotisch. Alle zusammen sind sie aber kontraproduktiv. Sie paralysieren uns, machen uns zu Opfern. Und indem sie unser Denken blockieren, steuern sie unseren natürlichen körperlichen Funktionsabläufen entgegen und zerrütten unsere produktiven Verhaltensmuster.

Ärger entsteht, wenn wir uns getäuscht oder hintergangen fühlen. Ärger entspricht dem Gefühl, unfair behandelt worden zu sei, was mit einem Gefühl von Verletztheit verbunden ist. Zumeist geht dies mit dem Erleben eines nicht hinnehmbaren Verlustes einher, bei dem ein Mitmensch als Verursacher ausgemacht wurde. Dabei kann Ärger zu einer geistigen und physischen Lähmung führen, zu einer wirklichen Machtlosigkeit, die das Gefühl des Verletztsein noch weiter verstärkt. Daraus resultieren negative Auswirkungen auf die physische Gesundheit, die über den tatsächlichen psychologischen Schaden weit hinausgehen können. Untersuchungen haben gezeigt, dass es anlässlich eines plötzlichen, intensiven Ärgers besonders bei Männern zu einer dramatischen Steigerung von Herzattacken kommt. Dies ist auf eine temporäre Minderung der Leistungsfähigkeit des Herzmuskels zurückzuführen.

Depression resultiert aus dem Erleben eines unwiederbringlichen Verlustes, dem der davon Betroffene ohnmächtig gegenübersteht. Dies resultiert in einem Gefühl von Sinn- und Wertlosigkeit, das eine Tendenz zur Chronifizierung besitzt.

Der Humor besitzt die Kraft, uns vor den destruktiven Auswirkungen dieser negativen Emotionen zu schützen. Es ist sprichwörtlich bekannt, dass die Furcht dahinschwindet, ein Ärger sich in Nichts auflösen kann und Depressionen vergehen, wenn ein Mensch lachen kann.

Woher rührt diese Kraft? Zunächst ist es ein spielerisches Element, das der Humor hervorzubringen vermag. Der Bezugsrahmen des Spiels schafft eine neuartige Perspektive. Ein Wandel in der Wahrnehmung realer Gegebenheiten erfolgt, so dass sich der Urteilsprozess radikal ändern kann. Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung kann so klarer erkannt werden, was dann dazu führt, dass sich die Absurdität der Furcht, des Ärgers und der Depression wie von selbst offenbart. Mithilfe der ironisierenden Kraft des Humors können wird die scheinbaren Ursachen dieser negativen Emotionen der Lächerlichkeit preisgeben und zu der Erkenntnis, dass alles relativ ist. Welch ein Witz!

Der interpersonale Aspekt

Der Humor kann die Herstellung einer positiven Beziehung zwischen Menschen fördern, auch wenn diese im Hinblick auf ihre Herkunft, Erziehung, ihren Glauben oder ihre ideologische Orientierung unterschiedlich sind. Ich bezeichne dies als die synergetische Funktion“ des Humors. Die Synergie von Beziehungen ergibt sich aus dem gemeinsamen Lachen heraus; sie stellt sich ein, wenn sich die Humorreaktion bei verschiedenen Menschen gleichzeitig einstellt. So kommt es zum (Mit-)Teilen von Heiterkeit, zu einem affektiven Miteinandersein im Lachen, zu einem mutuellen Geben und Nehmen spielerischen Vergnügens.

Der körperliche Aspekt

Wir konnten in Laboruntersuchungen ermitteln, dass Heiterkeit und Lachen zu einer positiven Beeinflussung der meisten der größeren physiologischen Systeme führen. Dies bezieht sich auf die Muskulatur, die Atmung, das Herz-Kreislauf-System, das Immunsystem, die inneren Drüsen sowie auf das Zentrale Nervensystem bzw. das Gehirn.

Antike buddhistische Gelehrte haben die Humorreaktion (= erheiterndes Lachen) in sechs Kategorien unterteilt. Die letzten drei dieser Kategorien können gewiss als eine Totalreaktion angesehen werden, es sind dies:
das akzentuierte Lachen, mit beträchtlicher Lautstärke, verbunden mit Bewegungen des Kopfes, der Schultern und der Arme;lautes Gelächter, das Tränen in die Augen bringt;das brüllende Gelächter mit unwillkürlichen Bewegungen im ganzen Körper.

Die Physiologie des Lachens

Im allgemeinen folgt ein intensives Lachen diesem Muster: Der Herzschlag steigt an, nicht selten ganz abrupt und manchmal sehr intensiv. Der Blutdruck wird erhöht und der Kreislauf angeregt. Der Atemrhythmus wird beschleunigt, die Länge der Dauer der Ausatmung wird gesteigert und die Lungen werden wesentlich stärker durchlüftet. Sämtliche Muskeln, die mit der Humorreaktion in Verbindung stehen, werden aktiviert, ganz in Entsprechung zu einer Aerobic-Übung! Die Produktion und/oder Zirkulation von Hormonen und Immunsubstanzen wird stimuliert. Das Gehirn wird verstärkt mit Sauerstoff versorgt, was die kognitiven Funktionen fördert.

Nach einer Periode der aktivierenden Stimulation folgt eine kurze Entspannungsphase, in der sich die körperlichen Abläufe verlangsamen. Jetzt werden auch die Verschlackungsprodukte des Stoffwechsels, speziell im Muskelgewebe, abgebaut. Sie kennen sicher die Redewendung, dass jemand so herzhaft und ausdauernd lachte, bis er Seitenstechen bekam. Das kommt daher, weil innerhalb der Muskulatur während des Lachens bestimmte Stoffwechselchemikalien abgelagert wurden. Die Entspannungsphase macht die Entfernung dieser irritierenden Chemikalien möglich. Auch das Herz bekommt nach seinem Schnellgang (eine ausgezeichnete Konditionsübung!) eine kurze Ruhepause.

Andere Körpersysteme werden in diese Entspannung allerdings nicht einbezogen. Das Gehirn wird während einer intensiven Humorreaktion nicht ausgeblendet. Man fällt nicht in Schlaf, nachdem man ausgiebig gelacht hat. Die allgemeine Hormonproduktion kann während der Entspannungsphase verringert werden. Doch die Zirkulation gewisser Immunsubstanzen bleibt für Stunden gesteigert, nachdem ausgiebig gelacht wurde. In einer von mir durchgeführten Untersuchung bezüglich bestimmter Immunfunktionen zeigte sich, dass noch 24 Stunden nach der experimentellen Humorübung eine erhöhte Immunfunktion bestand.

Aus diesen Untersuchungsergebnissen lassen sich viele Schlussfolgerungen für die körperliche Gesundheit ziehen. So bekommt das Herz eine gute Konditionsübung, ohne dass die Gefahr von Herzattacken so groß wäre wie bei entsprechenden sportlichen Übungen. Überhaupt ist die Gefahr von Herzattacken während eines intensiven Lachens äußerst gering obwohl es sich dabei um eine intensive Aktivierung körperlicher Funktionsabläufe handelt. So wird der Blutkreislauf aufgrund des beschleunigten Herzschlags und des erhöhten Blutdrucks intensiviert. Allerdings ist irgendein unbekannter Sparsamkeitsfaktor“ am Werk: Beim brüllenden Lachen kommt es nämlich zuweilen zu abrupten, manchmal sehr intensiven Erhöhungen des Blutdrucks, und dennoch sind in diesem Zusammenhang keine Hirnschläge zu befürchten.

Nicht zuletzt wird die Atmung während eines intensiven Lachens verbessert. Das normale Ein- und Ausatmen bezeichnet man als wellenförmiges Atmen. Dabei verbleibt gewöhnlich ein kleines Luftvolumen in der Lunge, das als Restluft“ bezeichnet wird. Da diese Restluft über einen längeren Zeitraum nicht ausgetauscht wird, reichert sie sich mit Schadstoffen (Kohlendioxyd und Wasserdampf) an. Das ist für den betreffenden Menschen von Nachteil, denn der Restluft mangelt es dadurch an Sauerstoff, und der Wasserdampf bildet einen günstigen Nährboden für bakterielle Mikroben. Beim intensiven Lachen werden die Lungenflügel so durchlüftet, dass die Restluft schnell komplett ausgetauscht wird. (Die Atemtherapie versucht teilweise den gleichen therapeutischen Effekt zu erzielen!)

Lachen ist gesund!

In der ganzen zivilisierten Welt ist sprichwörtlich bekannt, dass Gesundheit durch Übung gefördert wird. Mittlerweile gibt es überall gesundheitsbewusste Menschen, die Leibesübungen betreiben und ihr Herz und ihre Muskulatur trainieren. Das Lachen kann für den gleichen Zweck genutzt werden: es ist eine Leibesübung mit dem Zuckerguss des Amüsements. Wir erinnern uns: Beim brüllenden Lachen werden die Muskeln im gesamten Körperbereich aktiviert. Doch schon bei einem kleinen Lächeln werden auch die Muskeln im Bereich des Gesichts, der Kopfhaut, des Nackens, der Lippen, der Augen, zuweilen sogar der Schultern aktiviert. Noch wissen wir nicht, wie viele Kalorien beim Lachen verbraucht werden. Aber wir wissen, dass die Temperatur der Hautoberfläche erhöht wird und dass wir schwitzen, während wir lachen. Somit entspricht das Lachen einer Aerobic-Übung, bei der fast alle mitmachen können, selbst diejenigen, die in Rollstühlen sitzen müssen oder unter sonstigen körperlichen Behinderungen leiden. Ich habe untersucht, in welcher Weise ein intensives Lachen die Herztätigkeit im Vergleich zu Leibesübungen beeinflusst. Das Ergebnis: Ein gewöhnliches Alltagslachen sagen wir 100 Lacher pro Tag regt die Herzaktivität ähnlich an wie 10 Minuten Rudern.

Die Immunstimulation hat Auswirkungen auf viele Gesundheitsparameter. Ich denke an die Immunabwehr der riesigen Anzahl von Mikroorganismen bei infektiösen Krankheiten. Wir können in diese Überlegungen auch die verschiedenen Krebsarten mit einbeziehen. Immununtersuchungen, die von Gelotologen durchgeführt wurden, belegen überzeugend, dass die Immunabwehr durch Lachen stimuliert wird. Diese Stimulation bezieht sich sowohl auf chemische Substanzen (Antikörper) als auch auf celluläre Komponenten (weiße Blutzellen, Leukozyten). Wie schon erwähnt, hält der positive Effekt dieser Stimulation in gewissen Fällen über Stunden an.

Mal im Ernst: Die Sache mit dem Humor-Von Affen und Menschen

Jeder Tag an dem Du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag (Charlie Chaplin)
Heiter kommt weiter (Sprichwort)

Seit es organisierte menschliche Gemeinschaften gibt, gibt es Frauen und Männer, die mit humorvoller Unterhaltung ihren Lebensunterhalt bestreiten, z.B. als fahrendes Volk, im
Zirkus oder als Hofnarr bei adligen Herrschaften. Es gibt das Filmgenre Komödie , und es gibt Menschen, die über sich selber lachen können: Ihnen allen verzeihen wir viel mehr als anderen Mitmenschen.
Es scheint so, dass Mädchen und Frauen öfter (oder lieber) kichern, lachen und lächeln als Jungen und Männer, sie zeigen Gefühle, was aber nicht heißt, dass die Männer keine haben! Frauen lachen, lächeln und kichern übrigens mehr als Männer.

Säuglinge lächeln bereits und sie kommunizieren damit Zufriedenheit, lange bevor sie spre-chen können. Erwachsene lächeln, wenn sie flirten, wenn sie sich für Peinlichkeiten entschuldigen oder auch nur aus Höflichkeit. Lachen kann aggressiv sein und Menschen aus einer Gruppe ausschließen. Es kann auch dazu dienen, ohne körperliche Gewalt eine Rangordnung in einer Gruppe festzulegen.
Lachen und Lächeln könnte in der Evolution aus dem Zähne-Zeigen bei Tieren hervorgegangen sein: Ein solches Anzeichen von Aggression entspricht dem Zähne-Zeigen gegen einen gemeinsamen Feind und dies kann den Gruppenzusammenhalt stärken. Dieser Gedanke stammt übrigens nicht von Konrad Lorenz, sondern aus dem Buch Der Fürst von Niccolo Machiavelli. Lachen kann damit auch Abweichler in einer Menschengruppe bestrafen.

Die Bücher von Irenäus Eibl-Eibesfeldt enthalten viele Bildsequenzen über das Lächeln bei Flirt bei indigenen Völkern: Bei den Yanomami-Indios des Amazonas, bei den Himba in Namibia und bei den Eipo in Irian-Jaya/West-Neuguinea. Professor Eibl-Eibesfeldt hat das menschliche Verhalten analysiert und im Kontext der Evolution gedeutet. Im Jahr 2009 publizierten Marina Davila Ross, Michael Ovren und Elke Zimmermann die Arbeit Reconstructing the Evolution of Laughter in Great Apes and Humans in der Zeitschrift Current Biology , Band 19, Ausgabe13,, Seiten1106-1111, 14.Juli (Anmerkung von mir: Monkey ist das englische Wort für Affe , und Ape oder Great Ape bedeutet Menschenaffe ). Darin wurden die Lautäußerungen von Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans im Baby- oder Jugendalter sowie von menschlichen Säuglingen verglichen, nachdem man sie gekitzelt hatte (englisch tickling ). Auch Siamangs, eine Gibbon-Gattung, wurden in diese Studie eingeschlossen (Anmerkung von mir: Siamangs sind meistens monogam, und bei der Ordnung Primaten kommt Monogamie häufiger vor als bei jeder anderen Säugetier-Ordnung: Ich merke das an dieser Stelle an, weil bei Menschen das Anlächeln sehr wichtig beim Flirten bzw. bei der Partnersuche ist). Die Autorinnen und der Autor konnten zeigen, dass die ähnlichkeit der Lautäußerungen (also das Kichern nach dem Gekitzelt-Werden) zwischen den Menschen-Kindern und dem Menschenaffen-Nachwuchs umso größer war, je näher die entsprechende Art genetisch mit homo sapiens verwandt ist: Am ähnlichsten sind uns die Bonobos und die Schimpansen, dann kommen die Gorillas, dann die Orang-Utans und dann die Siamangs, eine der vier rezenten (noch nicht ausgestorbenen) Gibbon-Gattungen (Anmerkung von mir: Man nennt die Gibbons kleine Menschenaffen , englisch Lesser Apes im Gegensatz zu den Great Apes, es gibt zwanzig Gibbon-Spezies).

Übrigens gibt es einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Schimpansen und uns Menschen: Wenn Schimpansen die Zähne zeigen, dann haben sie Angst, fühlen sich
bedrängt, zeigen Aggression. Man nennt das die Angst-Grimasse . Ich verweise meine
Leser*innen auf die Internetseite des Chimpanzee-Sanctuary Northwest (Schimpansen-Asyl bei Seattle): https://chimpsnw.org/about-us

Schimpansen erkennen also unser menschliches Lächeln nicht als Geste der Zuneigung, und auch wir Menschen müssen wissen, dass ein Schimpanse, der uns anlächelt, gestresst und gereizt ist.
Mein Artikel wäre nicht vollständig ohne die Erwähnung der drei Pionierinnen der
Menschenaffenforschung: Jane Goodall (Schimpansen), Birute Galdikas (Orang-Utans) und Diane Fossey (Gorillas), die so tragisch ermordet wurde. Es ist kein Zufall, dass kein Mann darunter ist: Menschenaffen-Männchen greifen nämlich Menschen-Männer an, Menschen-Frauen aber nicht, und der Mentor dieser drei berühmten Frauen, Louis Leakey, wiederholte immer wieder sein Credo: Frauen beobachten besser als Männer, sie sind scharfsinniger und besser imstande, Einzelheiten zu erkennen, die im Augenblick unerheblich scheinen mögen. (Untersuchungen weisen darauf hin, dass das zutreffen könnte, zumindest bei Nord-amerikanerinnen). Außerdem sind Frauen geduldiger…“ Leakey selber bewies Humor: Er nannte seine drei Schützlinge Trimates.
Dieses Zitat stammt von Seite 60 des Buches Meine Orang-Utans“ von Birute M. Galdikas (Scherz-Verlag, 1995, im englischen Original Reflections of Eden , Little Brown Verlag,
Boston). Jane Goodalls Buch Ein Herz für Schimpansen erschien 1991 im Rowohlt Verlag, im englischen Original Through a Window. Thirty Years with the Chimpanzees of Gombe, und Diane Fosseys Buch Gorillas im Nebel erschien 1989 im Kindler Verlag, im englischen Original Gorillas in the Mist, 1983.

Ich bin kein studierter Ethologe, aber ich denke, dass es spezifisch menschliche
Verhaltensweisen gibt, die bei den Menschenaffen, die uns genetisch so unglaublich ähnlich sind, keine gleichwertige Entsprechung haben: Wir lächeln, kichern, lachen, und wenn wir ausgelacht werden oder Angst davor haben, dann errröten wir.

Abgesehen davon haben wir Menschen Sprache und Musik, kein Affe singt und tanzt. Dieses Thema liefert genug Stoff für weitere Artikel, und hat mit dem uns Menschen eigenen Humor nur am Rande zu tun. Ganz so ist es nun auch wieder nicht: Wir fühlen uns
automatisch zu Mitmenschen hingezogen, die unsere Art von Humor und unseren Musikgeschmack teilen.

Jenseits aller gelehrten Abhandlungen gilt die Beobachtung: Wenn wir lächeln, dann geht es uns automatisch besser, und wenn wir uns ärgern, wird alles noch schlimmer.

Humor und Provokation in der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie

Psychotherapeutische Praxis, Bremen

Dieser Text ist eine überarbeitete und aktualisierte Fassung eines Artikels, der in der Zeitschrift für Rational-Emotive & Kognitive Verhaltenstherapie, 1997, 8, 53-60 erschien. Zusammenfassung: Ein humoristisch-provokativer Stil in der Psychotherapie kann dabei helfen, irrationale Denkmuster von Patienten wirkungsvoll in Frage zu stellen und wichtige therapeutische Botschaften zu vermitteln. Verschiedene kognitive Interventionen und verhaltensorientierte Übungen mit humoristischem Charakter, die im Rahmen der von Albert Ellis begründeten Rational-Emotiven Verhaltenstherapie (REVT) verwendet werden können, werden geschildert. Weiterhin werden sechs Thesen zur Bedeutung von Humor in kognitiv-behavioralen Therapien formuliert.

Aktiv-direktive Psychotherapie

Als ich vor 20 Jahren im Sommer 1976 den ersten europäischen Workshop von Albert Ellis in Nijmegen (Niederlande) besuchte, war ich erstaunt und fasziniert von seinem forschen therapeutischen Stil. Dort bemerkte ich zum ersten Mal, dass auch Humor in der Therapie eine wichtige Rolle spielen kann. Dies kannte ich weder von der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie noch von der Verhaltenstherapie. Die von Ellis begründete Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT) (Ellis, 1997; Ellis & Hoellen, 1997; Informationen in deutscher Sprache im Internet: www.ret-revt.de) gehört zu den wichtigsten Ansätzen der Kognitiven Verhaltenstherapie (vgl. auch Scholz, 2001, S. 39-121). Dieter Schwartz (1998; 2002) hat Grundlagen und Methoden der REVT in zwei Ratgeberbüchern in einer für Laien gut verständlichen Form dargestellt. Ellis (1997, S. 237) plädiert für ein aktiv-direktives Vorgehen in der Therapie und er beschreibt, wie er Patienten deutlich die Meinung sagte, die in der Therapie wenig Engagement zeigten. Danach habe sich die Haltung der Patienten zur Therapie und zu sich selbst deutlich verändert. Ein solches konfrontatives Vorgehen ist in verschiedener Hinsicht problematisch, auch wenn es manchmal zu positiven Ergebnissen führt: Es setzt voraus, dass der Therapeut bzw. die Therapeutin fest davon überzeugt sind zu wissen, was für die hilfesuchende Person gut und richtig ist. Der Patient wird dadurch vor die Entscheidung gestellt, sich auf das therapeutische Angebot einzulassen oder die Therapie zu beenden.

Die Bedeutung des Humors in der Psychotherapie

Eleganter als eine drastische Konfrontation finde ich einen humorvoll-provokativen therapeutischen Stil, mit dem man wichtige therapeutische Botschaften oft sehr wirkungsvoll vermitteln kann. Ellis (1977) hat in dem Aufsatz „Fun as psychotherapy“, der im „Handbook of rational-emotive therapy“ (Ellis & Grieger, 1977) erschien, beschrieben, wie er humoristische Methoden in der Therapie einsetzt. Nach Ellis (1977, S 262-263) beruhen emotionale Störungen auf der Tendenz, Lebensereignisse allzu ernst zu nehmen, ihre Bedeutung zu übertreiben und zu „katastrophisieren“, wenn etwas nicht den eigenen Wünschen entspricht. Als ein Beispiel nennt er wissenschaftliche Tagungen, bei denen intelligente Männer und Frauen sich selbst zu ernst nehmen würden, die Bedeutung ihrer Vorträge überschätzten und katastrophisierende Gedanken über die Größe des Publikums und die Resonanz auf ihre Vorträge hätten.

Humoristische kognitive Methoden

Zu den Standardmethoden der RET gehört es, irrationale Einstellungen in einem sokratischen Dialog in Frage zu stellen oder modellhaft konstruktive Alternativen zu formulieren. Bei einem humoristisch provokativen Vorgehen treibt der Therapeut dagegen die Dinge als Gegenmittel zur neurotischen Übertreibung noch weiter ins Extrem, um auf dramatische Art die eingefahrenen Denkweisen von Patienten zu unterbrechen. Dafür möchte ich nun einige Beispiele geben: Wenn ein Mitglied einer Therapiegruppe sich wegen eines Fehlers selbst verdammt, betont Ellis: „Natürlich würde niemand in dieser Gruppe jemals so einen Fehler machen! Wir alle sollten Sie besser ein Leben lang boykottieren!“ Oder er geht in das andere Extrem und bezweifelt, ob ein so geringfügiges Fehlverhalten ausreichend ist, um weiterhin das Recht zu haben, Mitglied einer Gruppe von kompletten Versagern zu bleiben (Ellis, 1977, S. 265). Diese Interventionen sollen Patienten dabei helfen, sich mit ihren Fehlern und Schwächen zu akzeptieren. Um anti-perfektionistische Einstellungen zu propagieren, stimmt Ellis (1977, S. 266) den Patienten zu, die glauben, keine Schwächen haben zu dürfen, und er malt ihnen drastisch die Folgen eines fehlerhaften Verhaltens aus: „Und natürlich, wenn Sie schlecht tanzen, werden alle auf der Tanzfläche stehen bleiben und schallend lachen, sie werden nichts anderes tun, als die ganze Nacht an Sie denken, und sie werden sich immer an ihr komisches Tanzen erinnern.“ Auch bei der Überwindung von Prüfungsangst sind humoristische und paradoxe Methoden manchmal sehr wirksam (vgl. Eschenröder, 2002). Wenn sich Patienten durch den Wunsch nach absoluter Sicherheit in beruflichen oder privaten Angelegenheiten blockieren, macht ihnen Ellis (1977, S. 268) das folgende großzügige Angebot: „Gut, Sie haben heute wirklich Glück! Wir haben gerade ein schön gestaltetes Zertifikat gedruckt, das Ihnen garantiert, dass Sie erreichen, was Sie wollen. Fragen Sie unten im Büro danach und wir geben es Ihnen gerne kostenlos.“ Die Möglichkeit eines provokativen Vorgehens möchte ich noch an einem weiteren Fallbeispiel erläutern. Frau P. aus B. setzt sich beruflich und privat häufig unter Druck. Sie fühlt sich daher oft angespannt und kann auch Zeiten, in denen sie sich erholen könnte, nicht genießen. In der Therapiestunde berichtet sie, dass sie mit ihrem Mann und einem befreundeten Ehepaar vorhat, in Bad Segeberg ein Stück von Karl May anzusehen. Obwohl sie sich darauf freut, spürt sie auch hier einen Druck, denn sie glaubt, dass sie verpflichtet ist, für die Unterhaltung mit den Bekannten zu sorgen. Statt dies in Frage zu stellen, stimme ich ihr lebhaft zu. „Selbstverständlich sind Sie für das Unterhaltungsprogramm zuständig, wenn Ihr Mann fährt! Es ist Ihre Aufgabe, eine geistvoll-lockere Konversation in Gang zu bringen. Nehmen Sie sich heute Abend eine Karl-May-Biographie vor, gleichgültig wie müde sie sind, damit Sie morgen beim Picknick ein paar intelligente Bemerkungen über sein Leben und das Stück, das sie ansehen wollen, machen können.“ „Wenn Sie das so sagen, hört es sich ganz verrückt an“, meinte die Patientin zu meinen Vorschlägen. „Ja, aber das ist es doch, was Sie von sich verlangen“, erwiderte ich. Schließlich nahm sie sich vor, die Fahrt einfach auf sich zukommen zu lassen. In der nächsten Stunde berichtete sie, sie habe sich wegen Bad Segeberg nicht so einen Stress gemacht. Beim Anhören der Kassette von der Therapiesitzung war ihr aufgefallen, dass sie häufig so denkt, wie ich dies im Extrem dargestellt hatte.

Humoristische verhaltensorientierte Methoden

Zu den verhaltensorientierten Methoden der RET mit humoristischem Charakter gehören die „schamreduzierenden Mutproben“ (shame-attacking exercises) (vgl. Schwartz, 1998, S. 96-98). Sie sind vor allem für Personen mit sozialen Ängsten geeignet, die sich starr an konventionellen Normen orientieren und auf keinen Fall unangenehm auffallen wollen. Bei den Übungen werden absichtlich Verhaltensweisen ausgeführt, die die Person als peinlich, lächerlich oder ungewöhnlich empfindet, z. B.

  • mit erhobenen Händen durch eine belebte Fußgängerzone gehen;
  • um Geld betteln oder Geld verschenken;
  • in der Straßenbahn die Stationen laut ausrufen;
  • die Zeitung von gestern zum Sonderpreis anbieten;
  • sich in einer Drogerie über das Angebot an Präservativen beraten lassen.

Durch diese Übungen können Katastrophenerwartungen über die Reaktionen anderer Menschen überprüft und abgebaut werden. Wenn andere Menschen mit Ablehnung oder spöttischen Bemerkungen reagieren, ist dies eine gute Gelegenheit, den Umgang mit diesen Reaktionen zu trainieren. Der Verstoß gegen soziale Regeln löst zunächst oft starke Ängste aus; im Laufe der Übungen kann aber die Stimmung umkippen, wobei sich die Anspannung oft durch Lachen auflöst. Selbstverständlich hängt es vom sozialen Kontext ab, welche Verhaltensweisen als harmlose oder als gravierende Verstöße gegen die Regeln des sozialen Zusammenlebens betrachtet werden. Daher sollte ein Therapeut in der Regel nur solche Übungen vorschlagen, die er schon selbst durchgeführt hat oder durchzuführen bereit ist.

Rational Songs

Ich möchte nun noch eine weitere humoristische Methode erwähnen, die Ellis (1976, 1987) kreiert hat, die rational songs. Ellis hat zu populären Melodien eine Reihe von neuen Texten geschrieben, in denen verbreitete irrationale Einstellungen in ironischer Form auf die Schippe genommen werden. Vor allem in Gruppentherapien und Workshops können so rationale Botschaften in humoristischer Form vermittelt werden. Für Personen mit perfektionistischen Einstellungen ist der Song „Perfect Rationality“ besonders geeignet, der zu der Melodie von „Funiculi, Funicula“ gesungen wird: „Some think the world must have a right direction – And so do I, and so do I! Some think that with the slightest imperfection They can’t get by – and so do I! For I, I have to prove I’m superhuman, And better far than people are; To show I have miraculous acumen – And always rate among the Great! Perfect, perfect rationality Is, of course the only thing for me! How can I even think of being If I must live fallibly? Rationality must be a perfect thing to me!“ (Ellis, 1976)

Abschliessende Bemerkungen

Obwohl die RET in Bezug auf therapeutischen Humor einiges zu bieten hat, kann auch der Blick über den Zaun zu anderen Therapierichtungen, die mit humoristischen Methoden arbeiten, sehr inspirierend sein (vgl. Titze & Eschenröder, 1998). Vor allem möchte ich hier die Logotherapie von Viktor E. Frankl (1975) und die Provokative Therapie von Frank Farrelly (Farrelly & Brandsma, 1986; Höfner & Schachtner, 1995) erwähnen, in denen Humor eine zentrale Rolle spielt. Ich möchte zum Schluss sechs Thesen zur Bedeutung des Humors in kognitiv-behavioralen Ansätzen formulieren (vgl. auch Ellis, 1977, S. 269): 1. Vom Therapeuten ausgehender Humor kann die Atmosphäre in der Therapie positiv beeinflussen: Psychotherapie kann nicht nur als harte Arbeit angesehen werden, die mit Schmerz, Schweiß und Tränen verbunden ist; sie kann manchmal auch als ein Spiel betrachtet werden, das zu Schmunzeln, Lachen und heiterer Stimmung führt. 2. Auf der kognitiven Ebene kann eine humoristische Betrachtungsweise zur Veränderung der Bedeutung von Situationen und zu einer differenzierten Einschätzung von Problemen führen. 3. Die veränderte Sichtweise führt auf der emotionalen Ebene zu einer positiven Umstimmung. Durch die physiologische Wirkung des Lachens können zusätzlich vorhandene Spannungen abgebaut werden. 4. Die durch therapeutischen Humor veränderte Sichtweise und die Verminderung negativer Emotionen erleichtert es Patienten, mit neuen Verhaltensweisen zu experimentieren. 5. Es heißt zwar, dass Lachen die beste Medizin ist. Aber auch diese Medizin kann bei falscher Indikation oder falscher Dosierung zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. 6. Der angemessene Einsatz von Humor in der Therapie ist auch für die Psychohygiene des Therapeuten und der Therapeutin gut und kann als eine vorbeugende Maßnahme gegen Burnout betrachtet werden.

Literatur

Ellis, A. (1976). A garland of rational songs. New York: Institute for Rational Living Ellis, A. (1977). Fun as psychotherapy. In: A. Ellis, & R. Grieger (Eds.) Handbook of rational-emotive therapy. (S. 261-270). New York: Springer Ellis, A. (1987). The use of rational humorous songs in psychotherapy. In: W. F. Fry & W. A. Salameh (Eds.) Handbook of humor and psychotherapy. (S. 265-285). Sarasota: Professional Ressource Exchange Ellis, A. (1997). Grundlagen und Methoden der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie. München: Pfeiffer Ellis, A. & Grieger, R. (Hg.) (1979). Praxis der rational-emotiven Therapie. München: Urban & Schwarzenberg Ellis, A. & Hoellen, B. (1997). Die Rational-Emotive Verhaltenstherapie Reflexionen und Neubestimmungen. München: Pfeiffer Eschenröder, C. T. (2002). Selbstsicher in die Prüüung. Wie man Prüfungsangst überwindet und sich effektiv auf Prüfungen vorbereitet. München: CIP-Medien Farrelly, F. & Brandsma, J. N. (1986). Provokative Therapie. Berlin: Springer Frankl, V. E. (1975). Theorie und Therapie der Neurosen. München: Reinhardt Häfner, E. & Schachtner, H. U. (1995). Das wäre doch gelacht! Humor und Provokation in der Therapie. Reinbek: Rowohlt Scholz, W. U. (2001). Weiterentwicklungen in der Kognitiven Verhaltenstherapie. Pfeiffer bei Klett-Cotta: Stuttgart Schwartz, D. (1998). Vernunft und Emotion. Die Ellis-Methode. Borgmann: Dortmund Schwartz, D. (2002). Gefühle verstehen und positiv verändern. Ein rational-emotives Lebenshilfebuch. München: CIP-Medien Titze, M. & Eschenröder, C. T. (1998). Therapeutischer Humor. Grundlagen und Anwendungen. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch

Adresse des Autors Dipl.-Psych. Christof T. Eschenröder Treseburger Str. 15 28205 Bremen

e-mail: ceschenroeder@t-online.de

Welchen Stellenwert hat der Humor in unserer Zeit?

Oder: Was können wir von Kindern lernen?

Im Vergleich zu früheren Epochen hat der Leistungs- und Konkurrenzdruck in unserer Gesellschaft stark zugenommen, wie der englische Psychologe Oliver James (1998) in einer breit angelegten Studie ermittelt hat. Kinder erfahren früh, dass nur die Besten und Erfolgreichsten ihren Platz im Arbeitsleben behaupten können. Wer da nicht mithalten kann, muss mit entmutigenden Konsequenzen rechnen.1

Am heiß umkämpften Arbeitsmarkt hat sich der Leistungsdruck in den letzten Jahren schon allein deswegen erhöht, weil viele Arbeitsplätze „wegrationalisiert“ wurden. Zudem sind die Forderungen in der postindustriellen Dienstleistungs- und „High-tech-selfproviding“-Gesellschaft (Bergmann) immer größer geworden. Behaupten kann sich wiederum nur ein Arbeitnehmer, der über eine kreative Flexibilität verfügt, die ihrerseits mit individuellen Kompetenzen wie „kritische Eigeninitiative“, „autonome Selbstverantwortung“ und „wandlungsfähige Soziabilität“ verknüpft ist. So hat der Soziologe Richard Sennet (2000,25) ermittelt, dass ein/e qualifizierte ArbeitnehmerIn in 40 Berufsjahren wenigstens elfmal die Stelle wechseln und die Basiskenntnisse wenigstens dreimal erneuern muss. Wer sich hier überfordert fühlt, kann seine Lebensfreude leicht verlieren und depressiv oder suchtanfällig werden.2

Der forcierte Versuch, im postmodernen Überbietungskampf mitzuhalten, lässt das Leben schon in der Schulzeit als eine einzige große Anstrengung erscheinen, die es verbissen (und mit einem latent schlechten Gewissen) zu absolvieren gilt. Dies lässt sich häufig bei Familientherapien feststellen:

Viele Eltern stellen sich heutzutage in ihren pädagogischen Bemühungen viel stärker in Frage, als dies in den Zeiten unserer Urgrosseltern der Fall war. Damals gaben normgebende Instanzen (Kirche, Staat, Zünfte) allgemeine Richtlinien für ein angemessenes Verhalten des Kindes vor. Heute haben sich diese Instanzen – die in ihrer Aussage zudem voneinander abweichen – so vermehrt (man denke nur an die verschiedenen Ansätze in der Psychologie und Pädagogik!), dass eine eindeutige Orientierungshilfe ausbleiben muss. Wer da „alles richtig“ machen will, wer sich nicht an seinen ganz individuellen, intuitiven Eingebungen, seinem spontanen Fingerspitzengefühl orientieren kann, der muss das Familienleben zweifellos als eine ungeheuer komplizierte Pflichterfüllung erleben.

Werden wir andererseits immer verantwortungsloser?

Noch vor wenigen Jahren beschränkte sich der Erfahrungshorizont eines normalen Menschen weitgehend auf sein nahes Umfeld. Dazu gehörte an erster Stelle der Wohnort, der eine Art Kraftzentrum von sozialen Beziehungen war. Diese Beziehungen ergaben sich aus dem engen Miteinander der Familienangehörigen, der weiteren Verwandten, Freunde und Bekannten der Familie, die ihrerseits häufig in die gleichen Vereine, Innungen und kirchlichen Organisationen eingebunden waren. In diesem Netzwerk sozialer Beziehungen gab es fast immer eine festgefügte, tradierte Weltanschauung, normative Vorstellungen, die von den meisten weitgehend geteilt wurden. Wer dazu nicht bereit oder nicht fähig war, geriet schnell in die Rolle des komischen Außenseiters. Ablehnung und Isolierung waren in aller Regel die Folge. Die Bereitschaft zur Anpassung war demzufolge groß, denn die Welt außerhalb des Wohnorts lag sehr fern – schon allein aus verkehrstechnischen und kommunikativen Gründen. (Mit Ausnahme der Lektüre von Zeitschriften und Büchern gab es kaum Möglichkeiten, von fremden, nicht persönlich bekannten Menschen zu erfahren, wie diese ihr Leben führten, welche Ansichten sie hatten, was sie in ideologischer Hinsicht für gut und richtig befanden usw.)

Heute hat sich die Situation grundlegend verändert. Das besagt schon das Bonmot, dass wir in einem globalen Dorf leben – mit fast unbegrenztem Informationsaustausch. Wir können in kurzer Zeit praktisch in alle Länder der Erde reisen und uns eine Meinung über die dortigen Verhältnisse bilden. Die Medien versorgen uns mit einer Fälle von Informationen, die im Hinblick auf ideologische Wahrheiten viele Auslegungen erlauben. Und was den Wohnort betrifft, leben immer mehr Menschen in anonymen Ballungszen-tren, ohne einen wirklichen Bezug zu ihren Nachbarn zu haben. Die frühere Großfamilie wurde von der Kleinfamilie abgelöst, deren Leben eher an den individuellen Bedürfnissen der Mitglieder als an überkommenen Rollenvorgaben ausgerichtet ist (vgl. Lempp 1995, 16 ff.). Und schließlich ist die Bereitschaft zur Mobilität, zum Wechsel des Arbeitsplatzes und des Wohnorts stetig gewachsen.

Während das Leben unserer Vorväter im Wesentlichen durch soziale Anpassung und Kollektivismus bestimmt war, dominiert heute der selbstbestimmte, kreative Individualismus. Jeder darf nach seiner eigenen Fasson „selig werden“, die Anreize und Angebote sind vielfältig wie nie zuvor. Exzentrische Lebensstile werden dabei nicht nur toleriert, sondern vielfach idealisiert – die täglichen Talk-Shows und Life Style-Reportagen in den Medien legen ein beredtes Zeugnis davon ab!

Dies war durchaus nicht immer so. Vor 200 Jahren hat Immanuel Kant (1986, 219) den Eigensinn als das „allgemeine Merkmal der Verrüüktheit“ verstanden. Nur wer sich an die Vernunftsregeln des Gemeinsinns bzw. Common Sense (ein Begriff, der damals von englischen Philosophen verwendet wurde) hielt, lief nicht Gefahr, als verrückt eingeschätzt zu werden.3 Inzwischen ist diese Beurteilung nicht mehr zutreffend.

Der Psychiater Reinhart Lempp hat sich darüber seine Gedanken gemacht. Er beschreibt zahlreiche Beispiele von angeblicher Rücksichtslosigkeit und Selbstsucht, die er im Alltag beobachtet hat. Lempp führt dies auf einen immer ausgeprägteren Individualismus zurück, der in unserer heutigen Leistungsgesellschaft sowohl gefordert als auch gefährdert wird. Da Lempp aber auch vermerkt, dass viele Jugendliche gar nicht richtig erwachsen werden wollen (1995, 33), könnte man auch von einer wachsenden Attraktivität des individualistischen Kindseins in einer Zeit ausgehen, die um vieles verwirrender ist als das, was unsere Vorfahren vorfanden.

Und dennoch soll es Spass machen?

Tatsächlich hat das Kindsein auch in der Wissenschaft eine Aufwertung erfahren. Vor allem humanistische Psychologen haben das „innere Kind“ zu einer Galionsfigur erkoren (vgl. Titze 2001). Vielleicht ist diese „Orientierung am Kinde“ (Spaemann 1989) mit ein Grund dafür, dass die Welt, die den heutigen Erwachsenen in die Pflicht nimmt, nicht mehr ganz so freudlos ist wie die Vergangenheit – trotz der schon erwähnten Anforderungen und Belastungen im Berufsleben. Sinnstiftende Werte (die den überkommenen „Ernst des Lebens“ definieren) wie Pflichtbewusstsein und Anstrengung, Leistungsmotivation, Lebensreglementierung und soziale Kontrolle gelten heute nicht mehr so viel. Der „neue Lebenssinn“ (Opaschewski 1998, 41) leitet sich zunehmend von einem „Glückserleben in der Freizeit“ (ebd., 40) her, das eine (emotionale) Regression zur spielfreudigen Sphäre unbeschwerten Kindseins ermglicht. Dies lässt sich auf eine gesellschaftliche Umbesinnung zurückführen, die es erlaubt, Erholung und Vergnügen als ebenso wichtig anzusehen wie das Arbeiten und Lernen. Dieser Ausgleich scheint in der Tat notwendig zu sein, um den zunehmenden Stress im Arbeitsleben kompensieren zu können. Deshalb ist der „Spaß“ – jenes so wichtige Motiv aus des emotional geprägten Welt des Kindes – inzwischen zum Markenzeichen postmoderner Gegenwart geworden. Der Freizeitforscher Horst W. Opaschewski fordert zudem, den Spaß auch im Arbeitsleben selbst zur Geltung kommen zu lassen:

„Spaß läst immer mehr den Wert Pflicht ab. Bert Brechts Aussage in den Flüchtlingsgesprächen („Arbeit ist alles, was keinen Spaß macht“) gilt in Zukunft nicht mehr. Im Zuge des Anspruchswandels darf, ja muss Arbeit wieder Spaß machen. Stärker als Geld wirken persönliche Herausforderungen zur Eigenaktivität, die Spaß machen und das Selbstwertgefühl stärken (…) Gerade weil Arbeit immer höhere Anforderungen an die Mitarbeiter stellt, wollen sie ihre Freude an der Arbeit nicht verlieren, Arbeit nicht nur als Fron, sonder auch als Fun erleben.“ (1998, 77)

Diese Öffnung der Grenzen zwischen der erlebnisorientierten Welt des Kindes und der pflichterfüllten Welt des Erwachsenen ließe sich auch als eine Verschmelzung von Bezugssystemen beschreiben, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Für Arthur Koestler ist ein solche „Bisoziation“ die unerlässliche Voraussetzung für die Entstehung von Humor. Anders ausgedrückt: Der Humor bedarf der Gegensätze, um sich überhaupt entfalten zu können. Der infantile Unsinn wirkt erst dann belustigend, wenn er mit der Dimension ernsthaft gesitteter Vernunft bewusst konfrontiert wird: Lausbubenstreiche leben davon ebenso wie Satiren im Kabarett. Fehlt diese flexible Bisoziation, dieses Oszillieren zwischen Dummheit und Klugheit, dann bleibt die komische Wirkung prekär. Sie ist für den Außenstehenden zwar erkennbar. Doch der, der sie hervorbringt, vermag die Auswirkungen seines Tuns nicht zu reflektieren und dementsprechend auch nicht zu steuern. Er oder sie ist – wie der Tölpel aus antiken Komödien – auf eine eindimensionale Welt festgelegt: die Welt des Kindes. Sie oder er ist damit ein unfreiwilliger Clown, der zwar Komik hervorbringt, dabei aber im Kantschen „Eigensinn“ so verfangen ist, dass er oder sie dabei befremdlich, lächerlich und zuweilen auch tragisch wirkt. Sie oder er lebt als Erwachsene/r in der Welt des Kindes, ohne wirklich Kind zu sein. Also hat dieser Mensch aus der Sicht seiner Mitmenschen hier auch kein dauerhaftes Bleiberecht (vgl. Titze 2001, 294 ff.)

Wer hingegen fähig ist, „Erwachsener zu sein und Kind zu bleiben“ (Köstner) wird zu einem selbstbestimmten und flexiblen Grenzgänger. So kann man jederzeit aus den geordneten, häufig aber auch langweiligen Verhältnissen der Erwachsenenwelt „aussteigen“ und sich in jene Welt begeben, die für Arthur Koestler (1990, S. 155) „eine Domäne der Kreativität“ ist. Man versühnt dabei den Erwachsenen mit dem „kleinen Kind in ihm“ – und schafft so einen flexiblen Ausgleich, der für das Seelenleben sehr heilsam sein kann.

Humor ist nicht das Gleiche wie Witzigkeit

Humor ist nicht das Gleiche wie Witzigkeit. Um witzig zu sein bedarf es gerade der Kompetenzen des Erwachsenenlebens, wozu stets sehr gut entwickelte sprachliche Fähigkeiten gehören. Der Mensch vermag die Wirklichkeit in diesem Fall in abstrakte Begriffe umzuwandeln, mit denen er geistreich jongliert. Der witzige Mensch will sich vor allem „zu Gehör“ bringen, denn das gesprochene Wort ist sein Medium. Dabei kann ihm die Scharfzüngigkeit als Waffe dienen – zum Zwecke der Selbstbehauptung oder auch nur, um andere „mundtot“ zu machen bzw. sie intellektuell zu Fall zu bringen.

Der Humor ist demgegenüber versöhnlich und intellektuell bescheiden. Er lässt sich als stille Art beschreiben, der Welt – wie der mittelalterliche Hofnarr dies tat – einen Spiegel vorzuhalten. In diesem Spiegel erscheinen die Dinge nicht so, wie sie sein sollten, sondern wie sie wirklich sind. Hans Christian Andersen hat in seinem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ aber gezeigt, dass dies gar nicht so einfach ist. Als Erwachsene haben wir nämlich gelernt, die Wahrheit zu verdrehen, weil wir unsere sozialen Partner nicht enttäuschen oder provozieren wollen. Doch diese Unehrlichkeit hat ihren Preis: Wir ärgern uns gewöhnlich über uns selbst, wenn wir infolge mangelnder Zivilcourage, Opportunismus oder auch nur Mitleid so tun, als würden wir das nicht merken, was doch offensichtlich ist. Und der andere merkt dies ebenfalls! In Andersens Märchen ist es ein naives Kind, das die Dinge so anspricht, wie sie wirklich sind. Als Sigmund Freud den Humor als erspartes Mitleid definierte, hatte er diese intellektuelle Schlichtheit, die ebenso entwaffnend wie belustigend sein kann, ebenfalls vor Augen. Doch indem der Humor nicht (ent)wertet und (ver)urteilt, akzeptiert er vorbehaltlos die dabei entstehenden Widersprüche und Ungereimtheiten ohne diesen aber ein besondere Bedeutung zu verleihen. Wer es tatsächlich schafft, den Chef, der im Gespräch grimmig dreinschaut, in diesem Sinne wahrzunehmen, braucht sich nicht irritiert oder gar provoziert zu fühlen. Er oder sie wird auch nicht gezwungen sein, gekränkt oder verärgert zu reagieren. (Das wäre eben nur dann der Fall, wenn man sich strikt an starren normativen Vorstellungen des Erwachsenenlebens, in diesem Fall dem Konstrukt Höflichkeit , orientiert!) Wer sich von solchen Vorstellungen freimachen kann, erweitert seinen Handlungsspielraum beträchtlich. Man kann jetzt frei und unbekümmert agieren, indem man etwa gezielt den Blickkontakt herstellt, dabei lächelt und naiv fragt, ob der Chef auf einen böse sei …

Schlagfertig sein mit wenig Aufwand

Kinder lieben das Spiel. Hier finden sie Möglichkeiten, die Welt auf angenehme und kreative Art individuell zu konstruieren. Auf diese kindliche Kompetenz greift der Humor zurück. Er eröffnet uns Möglichkeiten, zum Beispiel typische Alltagskonflikte spielend also ohne große Anstrengung zu bewältigen. Wem dies bislang nicht (oder nur unzureichend) gelang, der hat es sich selbst vielleicht zu schwer gemacht: Indem er oder sie ganz im Stile der vernunftsorientierten Erwachsenen! nach der einen perfekten Lösung suchte und indem sie oder er sich zu viele Gedanken über die einzelnen Schritte machte, die zu dieser Lösung führen könnten. Solche Menschen wollen zum Beispiel schlagfertig sein, indem sie sich alle Mühe geben, intellektuell bzw. sprachlich zu brillieren (und den Gegner dadurch zu schlagen). Gerade das führt aber häufig zu einem paradoxen Ergebnis! Schlagfertigkeit sollte sich nicht nur mühelos und wie von selbst ergeben, sondern darüber hinaus auch bewirken, dass der entsprechende Konflikt nicht weiter eskaliert, sondern sich gleichsam spielerisch in Wohlgefallen auflöst . Hier ist der Clown als Ebenbild des nicht entmutigten Kindes ein Lehrmeister, der zeigen kann, wie aus einer verbissenen Gegnerschaft ein spielfreudiges Miteinander wird. Dies gelingt am besten, wenn man sich überhaupt nicht um witziges Esprit oder rhetorische Überlegenheit bemüht, sondern die Welt mit den Augen eines naiven Vorschulkindes zu betrachten lernt. So lässt sich mit geringem intellektuellem Aufwand häufig eine Weichenstellung vornehmen, die dazu führt, dass aus einer todernsten Konfrontation ein kooperatives Spiel wird.

Hierzu einige Beispiele:

Der Chef schaut vorwurfsvoll auf seine Armbanduhr, um Unpünktlichkeit zu signalisieren. Der Mitarbeiter fragt naiv: Kann man mit der auch tauchen?

In der Kantine setzt sich der neue Mitarbeiter neben einen Kollegen und grüßt diesen freundlich. Der andere reagiert nicht. Doch der Neue lässt sich nicht beirren. Mit einem strahlenden Lächeln wiederholt er seinen Gruß etwas lauter und etwas gedehnter: Guuten Taag! Und als der andere jetzt zu ihm schaut und zurückgrüßt, wird das Lächeln noch strahlender.

Die Sekretärin klappert mit dem Kaffeegeschirr. Der Chef schreit: Können Sie denn nicht etwas leiser sein? Die Sekretärin (mit einem verklärten Blick): Ich mag es, wenn starke Männer streng zu mir sind!

Bei einer Konferenz wird der Vortragende von einem Mitarbeiter heftig kritisiert. Worauf der Angesprochene mit einem strahlenden Lächeln erwidert: Schon gewonnen!

Und wenn der Gesprächspartner hierauf nicht verärgert reagiert, sondern sich im Gegenteil ein Lächeln nicht verkneifen kann, ist das Ziel schon erreicht auf eine spielerisch gelassene Weise dort eine zwischenmenschliche Brücke zu schlagen, wo sich zuvor eine Kluft aufgetan hatte.

Michael Titze

Literatur:
James, O.: Britain on the couch. London, 1998.
Kant, I.: Anthropologie in Pragmatischer Hinsicht. In Kants Werke (Akademie-Textausgabe, BD. VIII). Berlin, 1968.
Koestler, A.: Der Mensch Irrläufer der Evolution. Frankfurt, 1990.
Lempp, R.: Die autistische Gesellschaft. München, 1995.
Opaschewski, H.W.: Feierabend? Von der Zukunft ohne Arbeit zur Arbeit mit Zukunft! Opladen, 1998.
Sennet, R.: Der flexible Mensch. Berlin 1998.
Spaemann, H.: Die Orientierung am Kinde. Einsiedeln Trier, 1989.
Titze, M.: Die heilende Kraft des Lachens. München, 2001.

Weltweit sind über 1 Milliarde Menschen arbeitslos die Hälfte der erwerbsfähigen Bevölkerung!
(Scheppach 1999, 66)

Die Depressivitätsrate hat sich seit Ende des 2. Weltkriegs in den Industriestaaten verzehnfacht. Gleichzeitig nahmen andere neurotische Erkrankungen wie Zwangsverhalten sowie Suchtprobleme ebenfalls stark zu. (James 1998, 29)

Die Psychiatrie, die Kants Feststellungen aufgriff (vgl. Blankenburg 1969), spricht in diesem Zusammenhang natürlich von Normalität bzw. psychischer Gesundheit.

Als Francois Lyotard vor etwas mehr als 20 Jahren das einstmals moderne Projekt der großen Metaerzählungen für gescheitert erklärt hat, waren die unkonventionellen Sprachspiele der viel zitierten Postmoderne schon längst Realität, wenngleich sie noch etwas im Verborgenen geblüht haben. Ihr Forum ist das kreative Stegreiftheater, das keiner vorbestimmten Spielregel folgt, sondern sich in jener kreativen Beliebigkeit entfaltet, die durch radikale Diskontinuität (Foucault), katastrophische Antagonismen (Reese-Schäfer) und chaotische Verhältnisse der Rationalitäten (Schulze) ausgewiesen ist. Die Postmoderne hat so Abschied genommen von der Betuchlichkeit einer logisch zementierten Kommensurabilität, die alles eindeutig festgelegt und objektiv erklärt haben wollte. Aber hatte nicht schon René Descartes zum großen Zweifeln aufgerufen, als er unmissverständlich voraussetzte, dass alles, was ich sehe, falsch ist? Dieser Zweifel, sofern er konsequent beherzigt wird! – kann die vielen Gesetze, denen sich das Abendland seit Beginn der Neuzeit eilfertig unterwarf, grundsätzlich infrage stellen. Damit wird immer auch der Omnipotenzanspruch jener Logik erschüttert, deren Prämissen uns Aristoteles diktiert hat. Kleine Kinder und träumende Menschen, aber auch Angehörige von Naturvölkern und gewisse Geisteskranke kümmern sich um diese Prämissen keineswegs. Ohne sich dessen bewusst zu sein, entsprechen sie damit der schon erwähnten Zweifelshypothese von Descartes.

In der gleichen Weise verfuhren schon kurz nach dem 1. Weltkrieg jene Kunstschaffenden, die sich gerade für solche Grenzbereiche und Konfliktzonen zu interessieren begannen, aus denen Unbekanntes und der gewohnten Vernunft Widerstreitendes (Paraloges) hervorgeht. Diese Standortbestimmung, die der Philosoph Wolfgang Welsch für das gesamte postmoderne Denken geltend macht, betraf vor 80 Jahren allerdings nur einige wenige Kreative, die das Absurde zu ihrem Betätigungsfeld machten. So schrieb Richard Huelsenbeck, der von der Psychoanalyse stark beeinflusste Mitbegründer des „Dada“, im Jahre 1918 Folgendes:

Soweit ist es nun tatsächlich mit dieser Welt gekommen
Auf den Telegraphenstangen sitzen die Kühe und spielen Schach
So melancholisch singt der Kakadu unter den Rücken der spanischen Tänzerin
Wie ein Stabstrompeter und die Kanonen jammern den ganzen Tag …
Ich ziehe den anatomischen Atlas aus meiner Zehe
Ein ernsthaftes Studium beginnt …
Ach ach ihr großen Teufel ach ach ihr Imker und Platzkommandanten
Wille wau wau wau Wille wo wo wo wer weiß heute nicht
Was unser Vater Homer gedichtet hat …

Dieser paralogische – bzw. paradoxe oder inkongruente – Dissens, ist nach Lyotard eine Macht (puisance), die die konventionell-plausible Erklärungsfähigkeit einerseits destabilisiert, andererseits aber neue Richtlinien kreativen Denkens ermöglicht. Dissens entseht, wenn der althergebrachte Konsens dekonstruiert (Derrida) wird. Dies kann so weit gehen, dass selbst die semantischen Regeln aufgehoben werden, was etwa Christian Morgenstern mit seinem Gruselett unter Beweis gestellt hat:

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert
und grausig gutzt der Golz.

In dieser dadaistischen Tradition steht auch Ernst Jandls experimentelle Poesie, wie das dekonstruierende Gedicht lichtung zeigt:

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht
velwechsern.
werch ein illtum!

In Amerika wird auch von non sequiturs gesprochen, was sinngemäß heißt, dass Zusammenhänge ohne Konsistenz hergestellt werden, so dass sich ein logischer Dissens bzw. Nonsens ergibt. Ein Meister auf diesem Gebiet ist Woody Allen, der wahrscheinlich populärste Protagonist postmodernen Denkens. Von ihm stammen Aussagen wie diese:

Was wäre, wenn alles nur eine Illusion wäre und nichts existierte? In diesem Falle hätte ich für meinen Teppich definitiv zu viel gezahlt!

Es mag sein, dass es kein Leben nach dem Tod gibt. Ein deprimierender Gedanke – besonders für einen, der sich nicht rasiert hat!

Die postmoderne Gegenwart besitzt zwangsläufig ein großes Portal zur Welt des Humors, die schon Sigmund Freud ausgiebig erforscht hat. Hier kommt es gleichfalls zur Aufweichung des Omnipotenzanspruchs einer Logik, die die Psychoanalyse mit dem sog. Realitätsprinzip in Zusammenhang bringt. Das Lustprinzip, das Freud von einem primären Prozess dominiert sah, der durch und durch paralogisch daherkommt, ist hier bedenkenlos am Werk. So können non sequitur-Aussagen zustande kommen wie dieses Zwiegespräch zwischen einem aufgeregten Fahrgast und einem Busfahrer:

Wieviel Uhr?
Donnerstag.
Mein Gott, da muss ich ja aussteigen!

Wie es scheint, ist der Humor für die postmoderne Gegenwart von einer besonderen Bedeutung. Auf allen Fernsehkanälen toben schräge Comedy-Shows, Moderatoren wie Karl Dall haben bemerkenswerte non sequitur-Fähigkeiten entwickelt, und das Schlagwort von der Spaßgesellschaft, in die wir uns zu transformieren begonnen haben, ist ebenso en vogue wie die provokative Therapie Frank Farrellys eine psychotherapeutische Hilfestellung, die sich konsequent paralogischer Absurditäten bedient.

Lache bis die Tränen kommen,
aber weine nur so lange,
bis du wieder lachen kannst!

Lachen kann das Leben verändern

Bei genauerer Betrachtungsweise ist vieles im Leben verrückt. Vieles macht uns krank, bringt uns aus dem Konzept. Vieles wird uns aufgeladen – nicht selten solches, das uns innerlich fremd ist.
Wir behandeln uns oft selbst, als hätten Körper, Geist und Seele keine Rechte mehr.
Wir behindern uns dabei, unser eigenes Potenzial auszuschöpfen. Haben wir je gelernt, gute Choreografen für unser eigenes Lebensskript zu sein?

Egal was wir tun, ohne Humor ist es so, als wenn das Salz in der Suppe fehlt.

Durch eine todernste Lebenseinstellung gerät unser Humor (lat: Flüssigkeit) häufig aus den Fugen , wie es schon viele Sprichwörter ausdrücken, z. B.: Mir geht die Galle über , mir bleibt die Spucke weg.
Durch den therapeutischen Humor eröffnen sich Perspektiven und Auswege, die den Umgang mit Mitmenschen müheloser machen. Das bedeutet, sich selbst immer weniger im Wege zu stehen. Die passenden Antworten zu haben, ohne Schuldzuweisungen, sich aber trotzdem Achtung vor dem anderen und sich selbst zu bewahren. Wir lernen uns zu akzeptieren, so wie wir sind.
Wir erfahren, was die heilende Kraft des Lachens in unserem Leben bedeuten kann.

Die Arbeit des therapeutischen Clowns basiert auf einem ganzheitlichem Ansatz. In Vorträgen und Seminaren wird der Zusammenhang zwischen Gesundheit, der heilenden Kraft des Lachens und den psychosomatischen Krankheiten erläutert und in den Techniken des therapeutischen Humors geübt. Dabei wird der häufig krankmachende Ernst des Lebens gezielt ausgeklammert, und die Ressourcen des inneren Clowns werden für die alltägliche Selbstbehauptung mobilisiert.
Doch welche Gedanken machen mich krank, welche erhalten gesund? Wollen wir nicht lernen, wirklich alles für unsere eigene Gesundheit zu tun?

Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass gerade Patienten mit psychosomatischen Störungen oft unnütigerweise eine langjährige Patientenkarriere durchmachen, bevor ihnen von psychosomatisch versierten Fachleuten wirksam geholfen werden kann. Der Patient muss allerdings bereit sein, kräftig mitzuhelfen. (Weikert. Was mein Körper sagen will).

Körpersprache erkennen und verstehen lernen

Was mein Mund nicht sagt, drückt mein Körper aus. über unsere sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten hinaus drücken wir durch unsere Körpersprache meist unbewusst unsere seelischen Erlebnisse, wie Ärger, Wut Abneigung oder Zuneigung aus. Ganzheitliche Kommunikation zeichnet sich durch verbale und nonverbale Signale aus. Ziel ist, nonverbale Informationen besser erkennen zu können.

Wünsche von Klienten:

  • Sich wieder freuen können.
  • Ich möchte wieder ausdrücken können, was ich fühle.
  • Ich möchte mir selbst nicht immer im Wege stehen. Ich möchte mehr Frau sein können.
  • Auf mich hört ja keiner, ich möchte das entsprechende Gehör haben.
  • Ich möchte nicht mehr machtlos ausgeliefert sein. Die Balance zwischen Bauch und Kopf behalten können.
  • Ängste verlieren und mit mehr Mut leben können. Schlagfertiger zu werden, statt sich immer nur zu rechtfertigen.
  • Auf die innere Stimme besser hören lernen.
  • Sich selbst nicht immer davonzulaufen.
  • Nicht das Gefühl haben, alleingelassen zu sein.
  • Angst haben, sich dauernd nur klein zu fühlen.
  • Nicht mehr über mich zweifeln müssen. Ich möchte ohne Schuldgefühle leben können.

Therapeutischer Humor für Lehrer und Erzieher

Vor einigen Jahren habe ich ein neues Konzept für Erzieher entwickelt, um Alltagsprobleme besser zu lösen. So lernen z. B. Kindergärtnerinnen Lachgeschichten mit Tieren für Kinder zu erzählen, damit diese lernen, interaktiv ihre Probleme über das Beispiel der Tiere selbst zu lösen. Dies macht großen Spaß für alle Beteiligten!

Gesunderhaltung unserer Kinder

Wie schon beschrieben, liegen die Ursachen einer Krankheit in den Kinderschuhen. Um das zu verhindern, sollten Erwachsene und Erzieher auf die nächste Generation, auf die Kinder achten. Viel zu viele Kinder in den verschiedensten Altersstufen leiden an psychosomatischen Krankheiten. Je mehr ein Kind lächelt und lacht, desto besser und schneller entwickelt es sich. Die Erwachsenen sind die Vorbilder. Dazu ist für die Humorentstehung das Loslassen von alten Mustern und Vorstellungen Voraussetzung. Erst dann können Erwachsene spontan, überraschend und kreativ den oft schwierigen Anforderungen gerecht werden, denn Humor löst soziale Konflikte und Hemmungen. Lachen oder Lächeln ist ansteckend und kann angespannte Situationen schlagartig verändern. Scham- und Angstgefühle können aufgelöst werden. Vor allem bei Kindern kann die Wahrnehmung eines lächelndes Erwachsenengesichts negative Erfahrungen verschiedenster Art korrigieren. Humor kann helfen, das Gesicht zu wahren und doch die Sache auf den Punkt zu bringen. Es entsteht eine andere Art der Kommunikation. Humor ist wirkungsvoll für Geist, Körper und Seele. Der Geist wird motiviert, den Körper gesundet, die Seele wird mit positiver Energie gespeist.

Ziel:
Flexible und widerstandsfähige Kinder mit sozialer Kompetenz, die den zukünftigen Anforderungen in der Gesellschaft und der Arbeitswelt gewachsen sind und es verstehen wie man im Zusammenhang mit Humor und eigenen Arrangement Gesund bleiben kann und Freude am Leben haben und weitergeben vermag. Das Kind muss sich begriffen, nicht angegriffen fühlen!

Ich kann mich den ganzen Tag ärgern, verpflichtet bin ich jedoch nicht dazu!