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Familienleben mit Humor

Kinder sind keine unreifen Erwachsenen, sondern Erwachsene sind verkümmerte Kinder. (Keith Johnstone)

Mit Humor erzieht sich s leichter

Strenge und Ernsthaftigkeit können einem Respekt verschaffen. Und man erreicht damit meistens sein Ziel. Aber es geht auch anders. Viel leichter. Und mit lachenden Kinderaugen als Nebeneffekt. Was es dazu braucht, ist nicht mehr als eine handvoll Humor und eine Prise guten Willen.

Eine humorvolle Einstellung und ein bisschen Unernsthaftigkeit helfen so manches Mal, ob im Alltag, in Beziehungen, im Beruf oder eben in der Erziehung. Wer einen humorvollen Blick hat, legt nicht gleich alles auf die Waage der Strenge und sieht auch keinen Grund, mit Gereiztheit und Gerechtigkeit zu reagieren. Ein humorvoller Blick ermöglicht, die Dinge zu relativieren, nicht ernster zu nehmen, als es ihnen zusteht und auch mal darüber hinwegzugehen.

Gleichzeitig kann eine humorvolle Grundeinstellung in der Familie die Kinder befähigen, der Welt mit Sympathie und Herzlichkeit zu begegnen und die Ambivalenzen des Lebens positiv zu wenden.

So eine humorvolle Einstellung verdankt ihre positive Wirkung meist dem Lächeln oder Lachen mit dem sie einhergeht. Und Lachen ist ja bekanntlich gesund. Das wurde mittlerweile sogar von der Wissenschaft bestätigt. Beim Lachen entspannt sich die gesamte Körpermuskulatur, es werden Glückshormone ausgeschüttet, die schmerzlindernd wirken, und nach einem herzhaften Lachen stellt sich ein allgemeines Wohlbefinden ein. Ganz zu schweigen von der kommunikationsfördernden Wirkung, die allein schon ein Lächeln hat. Ein Lächeln ist eben die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen.

Wirkung von Humor

Eine Erziehung, die mit Humor gewürzt ist und auf einer lächelnden Einstellung beruht erleichtert den Zugang zum Kind. Denn Kinder sind ja bereits von Natur aus Künstler darin, die Welt mit einer stetig quellenden Fröhlichkeit zu entdecken. So sieht die gelassen-ruhige Einstellung des Humors es nicht als Böswilligkeit, wenn das Kind vom übermut fortgerissen wird oder ihm ein Missgeschick passiert, wenn es z.B. durch den Supermarkt flitzt und dabei etwas umreißt. Stattdessen wird solch ein Verhalten eher als ungebändigte Lebenslust akzeptiert. Deshalb gilt im Humor grundsätzlich: Fassen Sie die Frechheit, Aufmüpfigkeit und den Eigensinn Ihres Kindes nicht als Angriffe auf Ihre eigene Person und Autorität auf. Mit humorvoller Überlegenheit können Sie jedem Angriff die Spitze abbrechen, indem Sie den bösen Willen des Augenblicks nicht ernst nehmen. So können Sie z.B. einem Bock in spielerischer Form die Hörner ausreißen oder die Wut gemeinsam zum Fenster hinausjagen. Eine solche humorvolle Einstellung entzieht dem Vorfall den Ernst und bringt Sie auf eine andere Ebene. Außerdem stoßen Aufgaben, die in einem heiteren Sinn statt in hartem Befehlston gestellt werden erfahrungsgemäß auf weniger Widerstand. Denn: man strengt sich nicht an für jemanden, den man nicht leiden kann. Aber versuchen Sie mal, jemanden zu hassen, der Sie herzlich anlächelt und ehrlich freundlich zu Ihnen ist. Auf diese Weise lassen sich auch Gebote und Verbote einfacher durchsetzen.

Humor eröffnet neue Perspektiven

Im Umgang mit Schwierigkeiten, Tabuthemen oder Streitpunkten befreit ein bisschen Humor die Situation von Spannungen, wodurch offenere Gespräche entstehen. Warum nicht mal heiter den Inhalt eines tendenziösen Witzes klären, anstatt peinlich berührt zu schimpfen Ich will nicht, dass Du solche Wörter in den Mund nimmst!? Und mit einer humorvollen Perspektive kommt man leichter zu neuen, ungewöhnlichen Lösungen als mit verkrampfter Ernsthaftigkeit. Außerdem nimmt ein gemeinsames herzhaftes Lachen so manchem Problem, so mancher Krise und Enttäuschung die Schwere. Auch weil der humorvolle Blick des Erwachsenen fähig ist, die Situation in ihrem gesamten Ausmaß in den Blick zu nehmen, zu relativieren und den Blick auf das Positive zu wenden. Eine schlechte Schulnote, zum Beispiel, bedeutet nicht das Ende der Welt. Und Meckern darüber steigert nicht unbedingt die Motivation. Stattdessen kann man die Sache in freundlicher Weise besprechen und nach Lösungen suchen, wobei deutlich werden sollte, dass das Kind kein schlechter Mensch ist, weil es auch noch andere Dinge gibt, die es gut kann.

Bedeutung von Humor für Kinder

Es ist offensichtlich, dass Kinder besonders häufig lachen, wenn sie spielen oder in Situationen, in denen sie erfolgreich ihre intellektuellen Fähigkeiten austesten können. Jeder kennt z.B. jenes strahlende Lächeln, wenn ein Kind zum ersten Mal etwas allein geschafft hat. Kinder finden außerdem die größte Freude an Spielen mit der Fantasie, d.h. wenn sie Situationen in der Fantasie durchleben, von denen sie wissen, dass diese überhaupt nicht mit der Realität übereinstimmen. Der Humor der Kinder liegt vor allem im spielerischen Experimentieren mit Neuerlerntem und steht daher im Zusammenhang mit ihrer kognitiven Entwicklung. Das drückt sich dann im kindlichen Verhalten aus: ob Dinge als etwas völlig anderes behandelt oder Sachen absichtlich falsch benannt werden, ob von allem das Gegenteil behauptet wird oder ob es das Spiel mit Worten ist, hier zeigt sich schon die Kreativität und es wäre schade drum, solche Spielereien zu unterdrücken mit Worten wie Laß den Quatsch!

Mit Hilfe des Humors verarbeiten Kinder außerdem Ängste sowie sexuelle und aggressive Tendenzen und sie brauchen das Lachen zur Lösung emotionaler Spannungen, die z.B. mit der Sauberkeitserziehung zusammenhängen. Indem sie sich verbal darüber lustig machen, attackieren sie durch den offenen Gebrauch von Wörtern wie Pipi etc. die bestehenden Tabus. So ist Humor besonders für Kinder ein Hilfsmittel, um negative Erfahrungen zu überwinden bzw. in positives Erleben umzuwandeln und er hilft beim Umgang mit Frustrationen und peinlichen Erlebnissen.

Zusätzlich ist Humor ein Baustein für die kindliche Entwicklung. Je eher ein Kind mit Humor in Kontakt kommt und lernt, die positiven Wirkungen für sich zu nutzen, desto leichter wird es es als Erwachsener haben. Denn Humor ist ein Weg zur Stressbewältigung und zum besseren Umgang mit Konflikten und Krisen. Eine humorvolle Grundeinstellung unterstützt eine allgemeine Frustrationstoleranz durch die Fähigkeit, Widersprüchlichkeiten des Lebens positiv zu wenden. Außerdem begünstigt Humor die kognitive Reifung durch das Spiel mit Ideen und Gedanken, er fördert kreatives und innovatives Denken und erleichtert die soziale Interaktion. Frühliche Kinder sind ja gemeinhin viel beliebter als Miesepeter.

Rolle der Eltern

Weil Kinder generell sehr sensibel sind für die Reaktionen der Erwachsenen, ist deren Haltung gegenüber den kindlichen Späßen von großer Bedeutung. Humorvolle Versuche, Fantasiespiele oder auch Albernheiten sollten nicht als Unsinn oder Zeitverschwendung abgewertet werden, sondern ermunternde Aufmerksamkeit erhalten. Auch wenn Sie selbst vielleicht nicht unbedingt in jedem Moment Verständnis für den Quatsch ihres Kindes haben. Aber schon ein liebevolles Schmunzeln bestätigt das Kind in seinem Tun. Gerade für Kinder ist so ein Lächeln von Seiten ihrer Bezugspersonen von grundlegender Wichtigkeit. Es vermittelt dem Kind nämlich, dass die Welt in Ordnung ist und dass es sich sicher fühlen kann. Ein versteinertes Gesicht dagegen oder böse und genervte Blicke schüchtern das Kind ein und strafen es. Genauso wenig ist es sinnvoll, ein Kind lachend oder grinsend auf dessen Fehler aufmerksam zu machen. Das Kind spürt die Verachtung, denn es wird bloßgestellt und als dumm belächelt. Stattdessen empfiehlt es sich, lieber gemeinsam über den Fehler zu lachen, nicht über den, der ihn begangen hat.

Wege zum Humor

Wie soll man in der Alltagsroutine und unter den verschiedensten Schwierigkeiten und Belastungen zu solch einer Heiterkeit finden? Sie lässt sich natürlich nicht erzwingen, aber mit ein bisschen gutem Willen kann man sich der Fröhlichkeit und Lebenslust öffnen. Es genügt schon, wenn Sie sich einmal selbstkritisch hinterfragen und gucken, welchen Stellenwert Ernst und Dramatik in Ihrem eigenen Leben einnehmen, wo Sie manche Dinge möglicherweise zu schwer bewerten, wo Sie zu tief im Alltagstrott stecken, wo allzu vernunftgeleitetes Handeln zu Ernsthaftigkeit führt und welche Ansprüche vielleicht etwas überzogen sind. Dabei stoßen Sie dann eventuell auf eigene Schwächen und Unsicherheiten, die Sie durch ein ernsthaftes Verhalten zu überdecken suchen, anstatt sie mit Humor zu nehmen.

Wer aber über seine Fehler lachen kann, wird nicht als Üermensch wahrgenommen, wirkt sympathisch und wird so viel eher akzeptiert.

Wenn Sie z.B. merken, dass Ihr Kind Sie mit seinen Fragerein überfordert oder Sie auf irgendeine Weise zur Verzweiflung bringt, können Sie auch lachend aufgeben oder sich spielerisch ergeben. Ihr Kind wird das eher verstehen, als wenn es mit einer patzigen oder genervten Bemerkung zurechtgewiesen wird, es solle doch diese blöde Fragerei lassen.

Das Kind als Vorbild

Der einfachste Weg, zu Frühlichkeit und Humor zu finden ist, sich von seinem Kind anstecken zu lassen. Versuchen Sie dabei, auf Ihr eigenes inneres Kind zu hören und dessen Ideen zuzulassen. Dann werden Sie wiederentdecken, wie viel Spaß es doch macht, heiter zu sein, zu spielen und neue, ungewohnte Verhaltensweisen auszuprobieren und sich damit auch von Rollenzwängen zu befreien. Trauen Sie sich, Sie werden überrascht sein, was da noch alles in Ihnen steckt! Und gleichzeitig werden Sie viel leichter die Hintergründe für das vermeintlich unsinnige Verhalten der Kinder sehen, statt nur das Gut-Böse-Schema.

Humor entsteht v.a. durch die Veränderung von Gewohntem. Versuchen Sie doch mal, mit Ihrer eigenen Phantasie, Kreativität und Lebendigkeit den Alltag zu durchbrechen. So können aus alltäglichen Handlungen auf einfache Weise komische Situationen entstehen, wenn z.B. das gemeinsame Abendessen zu einer hochbrisanten parlamentarischen Sitzung erklärt oder das Zähneputzen in eine afrikanische Beschwärungszeremonie verwandelt wird. Unterstützen Sie das Neugierverhalten der Kinder, greifen Sie deren Phantasien auf und lassen Sie sich ruhig auf deren ungewöhnliche Denkweise ein. Was kann schon passieren, wenn man einfach mal mitmacht, wenn das Kind einen Löffel zum Telefon umfunktioniert? Solch ein Teelöffel-Telefonat bringt wieder ein paar Minuten Freude und Lachen. Haben Sie Spaß am Unsinn, es tut ja niemandem weh! Und man kann am Ende genauso freundlich lächelnd eine Grenze setzen um zu zeigen, wann genug geblödelt wurde.

Humorvolles Strafen?!

Wo es sich nicht vermeiden lässt, sind selbst Strafen im Sinne des Humors möglich. Als Beispiel kann man hier die Tochter anführen, die wiederholt zu spät nach Hause kommt und nun jede halbe Stunde wie eine Kirchturmuhr die Zeit ansagen soll, damit sie beim nächsten Mal nicht vergisst, auf die Uhr zu schauen. Ein verständnisvolles Lächeln der Eltern betont auf eine liebevolle Art die Notwendigkeit für eine Strafe. Eine Strafe, die mit einem ärgerlichen, einsichtigem Lächeln ausgeführt wird, ist ja deshalb nicht weniger effektiv. Sie stößt nur auf weniger Trotz und Aggression und hat einen größeren Lernerfolg, weil sie eher im Gedächtnis bleibt. Und vor allem ist sie legal.

Konsequent sein

Nur eines ist wichtig in der Anwendung von Humor in der Erziehung: reagieren Sie nicht nur sporadisch mit einer augenzwinkernden Einstellung, während Sie ansonsten die Beherrschung verlieren. Seien Sie konsequent. Humorvoll auf Alltagssituationen und Normverletzungen zu reagieren bedeutet nicht, dass sich Kinder alles erlauben dürfen, weil ja nichts ernst genommen wird. Im Gegenteil, Grenzen und Regeln werden nur nicht mit übertriebener Autorität und Strenge durchgesetzt.

Grundlegende Voraussetzungen sind jedoch Vertrauen und Wertschätzung, damit man nicht befürchten muss, lächerlich gemacht oder missbraucht zu werden für den Humor des anderen. Außerdem muss Humor in der Familie getragen sein von menschlicher Gäte, Warmherzigkeit und Mitgefühl. Allein schon ein hintergründiges Lächeln, ein vielsagender Blick oder ein Augenzwinkern machen Wohlwollen und Verständnis deutlich.

Die Seele nährt sich an dem, an dem sie sich freut (Augustinus)

Eine der Grundlagen für eine humorvolle Einstellung ist zu lernen, den Sinn für das Wesentliche zu schürfen und auch Kleinigkeiten Beachtung zu schenken, zu staunen und den Augenblick zu genießen. So können Sie die Freude der Kinder stärken, indem Sie den Blick auf all das Schöne und Gute um uns herum richten. Sehen Sie Dinge gemeinsam als etwas Wunderbares und zeigen Sie, wie wichtig das Dasein und das Miteinander sind. In diesem Zusammenhang stehen auch freudvolle Handlungen wie Spiel, Necken und Kitzeln, denn sie lockern durch das gemeinsame Lachen das innerfamiliäre Klima auf und festigen gleichzeitig die emotionalen Beziehungen. Beim Spiel zum Beispiel werden Eltern oft von der gleichen Freude erfasst und durch das Necken lernt ein Kind, Spaß zu verstehen, Unannehmlichkeiten nicht so ernst zu nehmen und nicht gleich empfindlich und gekränkt zu reagieren, sondern auch mal mit zu lachen. Alles wichtige Voraussetzungen für den Humor.

Es hängt natürlich vieles auch vom Temperament der Kinder ab, die es einem mit ihrer jeweiligen Reaktion erschweren oder erleichtern, stets heiter und humorvoll zu sein. Aber Lachen ist ja auch ansteckend. Seien Sie neugierig, spontan und kreativ. Seien Sie offen für andere Menschen und die schönen Dinge der Zukunft, anstatt sich von der Vergangenheit oder Gegenwart erdrücken zu lassen.

Aktiv sein

Suchen Sie möglichst oft nach Gelegenheiten, um gemeinsam zu lachen. Ob es Witze sind, das tägliche Austauschen von komischen Erlebnissen, ob man absurde Kommentare gibt, heiteren Geschichten erfindet, Wortspiele oder sogar Rollenspiele macht, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Genauso kann man sich z.B. auch durch regelmäßiges Ansehen von lustigen Filmen und Büchern oder das Anhören fröhlicher Musik oder Hörbücher immer wieder in eine heitere Stimmung versetzten lassen. Wichtig ist nur, den Willen zu haben. Wenn man erst mal gemerkt hat, dass man auch auf diese Weise zum Ziel kommt, dann ist man schon halb da.

Spielen Sie mit, machen Sie sich selbst zum Löffel, nutzen Sie die Chance, in eine andere Rolle zu schlüpfen und gemeinsam rumzublödeln. Das Lachen Ihres Kindes und Ihr eigenes Lachen wird Sie besttigen.

Franziska Rülke
MA; Dipl. Soz.-Päd.
Mitglied Humorcare Deutschland (HCDA), International Society for Humor Studies (ISHS)

Spaßmix macht Spaß im Hegau-Jugendwerk

Ein Humorkonzept an einer neurologischen Rehabilitationsklinik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Lachen ist gesund , Lachen ist die beste Medizin diese Volksweisheiten haben in den letzten Jahren wieder an Aktualität gewonnen. Die Gelotologie (Wissenschaft vom Lachen) belegt, welche positiven physiologischen, psychischen und sozialen Wirkungen Lachen hat und liefert damit Argumente für lachfürdernde Maßnahmen allüberall. Ebenso wurde festgestellt, dass in der Fun-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts weitaus weniger gelacht wird als in den Fünfziger Jahren, ein Grund mehr, lachend aktiv zu werden.

Eine Konsequenz aus diesen Feststellungen sind zunehmende Versuche, aus den Einrichtungen, in denen Leid und Schmerz, Stress und Übellaune vorherrschen, Lebensräume zu schaffen, die Fröhlichkeit und Lachen zulassen. Im Hegau.Jugendwerk in Gailingen einer neurologischen Rehabilitationsklinik für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene entwickelt sich seit drei Jahren in kleinen Schritten ein Konzept, das Spaß und Abwechslung in den Klinikalltag für die neurologisch erkrankten Kinder und Jugendlichen bringen soll.

Es begann damit, dass 1998 die Geschäftsleitung die Teilnahme eines Mitarbeiters am Humor-Kongress in Arosa unterstützte. Impulse aus diesem Kongress regten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Betriebssport jonglierten, an, Ideen zu entwickeln, die den speziellen Erfordernissen einer Reha-Klinik für Kinder und Jugendliche gerecht werden sollten: Es entstand Spaßmix, ein buntes Konzept, das weiter ausgebaut werden soll.

Im Moment setzt sich die Initiative aus verschiedenen Elementen zusammen:

Spaßmix im Kinderhaus

Jeden Dienstag Abend führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine halbe Stunde lang den Kindern des Kinderhauses etwas vor rein zum Spaß für die Kinder und meist auch für die zuschauenden Erwachsenen. Das Programm ist bunt, wechselt wöchentlich und wiederholt sich nach 6 8 Wochen in kleinen Varianten:

Die Märchentante graubehaart, Brille auf der Nase, sanfte Stimme, langes blaues Kleid liest den Kindern Märchen vor.

Jongleure lassen alles durch die Luft wirbeln, was fliegen kann und versetzen die Kinder in Staunen

Dem Zauberer OGI müssen die Kinder immer wieder mit Zaubersprüchen und Zauberpuste helfen, damit seine Tricks auch gelingen.

Der Clown GIGOLO bringt seine Spielzeugpuppen mit.

Beim Schattenspiel verfolgen die Kinder gespannt die Geschichte von der Prinzessin, die von wunderschönen Figuren vorgespielt wird.

Kasperle jagt das Krokodil im Rhein und am nächsten Tag steht es in der Zeitung.

Das Kamel Shiela zeigt seine unbeholfenen Kunststücke.

Mitmachlieder laden zum Mitsingen und Mitspielen ein.

Immer wieder kommen neue Programmpunkte hinzu. Den Kindern ist die Teilnahme selbstverständlich freigestellt; manche kommen regelmäßg, einige ziehen eine andere Freizeitbeschäftigung vor.

Spaßmix wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendwerks getragen; ein fester Stamm ist regelmäßig bereit, etwas zu bieten, andere stellen sich sporadisch zur Verfügung und bereichern damit das Angebot, das sich nach den Möglichkeiten und Fähigkeiten der einzelnen Akteure richtet.

Diese nicht immer spektakulären Aktionen bringen einen Farbtupfer mehr in die Woche. Dienstag ist Spaßmixtag. Therapeutische oder pädagogische Absichten werden nicht ausdrücklich genannt und verfolgt, wirken dennoch in jeder einzelnen Vorführung: natürlich wird dabei immer auch etwas gelernt, Gemeinschaft gefördert, Aufmerksamkeit trainiert, Kreativität angeregt usw. das wichtigste jedoch ist: Freude und Lachen sind positive Reaktionen, die den Rehabilitationsprozess unterstützen. Außerdem bietet das regelmäßge, immer zur selben Zeit stattfindende Programm Kindern, die auf Grund ihrer Hirnschädigung zeitlich, räumlich und personell desorientiert sind, eine gewisse Struktur im Wochenrhythmus.

Positive Äußerungen der Kinder und auch der teilnehmenden Erwachsenen (Angehörige wie Mitarbeiter) bestätigen die Akteure in ihrem Engagement und motivieren sie, weiter die über ihren eigentlichen Arbeitsbereich hinausgehenden Anstrengungen auf sich zu nehmen.

Spaßmixgruppe

Bei besonderen Anlässen wie Weihnachtsfeiern, Fasnacht, Betriebsfesten, Eröffnung der Projekttage treten Spaßmixakteure auf und bereichern die Feste mit ihren Kleinstkunstangeboten als Musiker, Clowns, Jongleure, Zauberer zuletzt beim Mitarbeiterfest anlässlich des 30jährigen Jubiläums des Hegau-Jugendwerkes.

Clown-Doktoren

Clown-Dokoren halten bei Kindern und Jugendlichen auf den Stationen Frührehabilitation und Frühmobilisation jede Woche ein Visite ab. Dr. Miraculi, Dr.Dr. Donatella, Dr. Lila Rosalie und Dr. Made Rote Socke bringen die Patienten mit ihrer lustigen Clownmedizin zum Lachen oder versuchen, mit ihren Späßen Reaktionen bei den oft sehr schwer behinderten Menschen zu entlocken. Jugendliche fühlen sich zuweilen nicht besonders von den Clowns und ihre Späßen angesprochen, in solchen Fällen ziehen sich die Clown-Doktoren zurück und besuchen jemand anderen. Meist sind die Reaktionen der Kinder und deren Mütter positiv dies zeigte sich deutlich bei Umfragen, die anlässlich einer Diplomarbeit angestellt wurden.

August Wiese

Bereist zum zweiten Mal fand in diesem Jahr die Aktion August Wiese statt: An jedem Arbeitstag im August wurde um die Mittagszeit auf der Wiese vor der Kantine ein kleines oder großes Spektakulum angeboten: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Rehabilitandinnen und Rehabilitanden und auch Angehörige gaben spontan oder langfristig geplant zum besten, was sie in ihrem Repertoire hatten: im vergangenem Jahr reichte das Spektrum vom Vortrag eines klassischen Barockgedichtes durch die Oma einer Patientin über die Tanzshow einer Rehabilitandengruppe bis zu orientalischen Märchen, Clownaktionen, gemeinsamen Spielen und vielem mehr.In diesem Jahr war die aktive Beteiligung jugendlicher Rehabilitanden erfreulich groß: es wurde Schlagzeug gespielt, ein Hörspiel mit selbstgetexteten Gruselgeschichten vorgetragen, Gruppenmemory gespielt usw…

Ziel dieser Sommeraktion war es, Menschen im Jugendwerk für kurze Zeit zu versammeln, ihnen Freude zu machen und sie ein paar Minuten vom Klinikalltag abschalten zu lassen.

Spaßmix für Eltern ist ein weiteres Modul, das angedacht ist: Eltern sollen gemeinsam bei Spielen, Jonglierkursen, Fantasiereisen u.a. Spaß haben ihre schwerbehinderten Kinder und Jugendliche können dabei zusehen.

Spaßmix ist nicht der Versuch, das ganze Jahr über Fasnacht in die Klinik zu bringen und jeden Tag mit bunten Socken und roten Nasen herumzulaufen oder herumzufahren. Spaßmix ist ein Teil in dem Bestreben, den neurologisch erkrankten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Wohlfühlklinik anzubieten, in der die Anstrengungen in Therapie und Unterricht mit entspannenden Angeboten ausgeglichen werden. Dasselbe Ziel richtet sich auch an Angehörige und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Spaßmix ist in der Reihe mit anderen außertherapeutischen Angeboten des Hegau-Jugendwerks zu sehen: mit den 3 Galerien, den Projekttagen, der Patientenzeitung PATZ, Einzelaktionen der Freizeitpädagogen (Konzerte, Ausflüge) usw.

Der Erfolg einer solchen Initiative wie Spaßmix, die (noch) außerhalb des klassischen Aufgabengebietes einer Klinik steht, hängt von zwei Faktoren ab: dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Unterstützung durch die Geschäftsführung. Beides ist im Hegau-Jugendwerk gegeben: Die Geschäftsleitung gesteht den Mitarbeitern für Clownvisiten und Spaßmix im Kinderhaus für einen Teil des Engagements Arbeitszeit zu und ermöglicht den Amateuren Fortbildungen und die Teilnahme an Treffen und Kongressen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen Freizeit und Energie ein, um eine Idee, die einen wichtigen Beitrag zur Klinikkultur leistet, umzusetzen. Die gemeinsamen Aktivitäten wirken sich auch positiv auf die Zusammenarbeit aus: in der Spaßmixgruppe sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Berufsgruppen vertreten, in deren interdisziplinäer Zusammenarbeit im Berufsalltag sich die banale Weisheit bestätigt: Wer gemeinsam Spaß macht und gemeinsam Spaß hat kann besser zusammen arbeiten.

Hans-Georg Lauer
Konrektor
Wilhelm-Bläsig-Schule, Hegau-Jugendwerk, Gailingen