Mal im Ernst: Die Sache mit dem Humor

Edmund Morel
Mal im Ernst: Die Sache mit dem Humor-Von Affen und Menschen


  Jeder Tag an dem Du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag (Charlie Chaplin)
Heiter kommt weiter (Sprichwort)


Seit es organisierte menschliche Gemeinschaften gibt, gibt es Frauen und Männer, die mit humorvoller Unterhaltung ihren Lebensunterhalt bestreiten, z.B. als fahrendes Volk, im
Zirkus oder als Hofnarr bei adligen Herrschaften. Es gibt das Filmgenre Komödie , und es gibt Menschen, die über sich selber lachen können: Ihnen allen verzeihen wir viel mehr als anderen Mitmenschen.


Es scheint so, dass Mädchen und Frauen öfter (oder lieber) kichern, lachen und lächeln als Jungen und Männer, sie zeigen Gefühle, was aber nicht heißt, dass die Männer keine haben! Frauen lachen, lächeln und kichern übrigens mehr als Männer.


Säuglinge lächeln bereits und sie kommunizieren damit Zufriedenheit, lange bevor sie spre-chen können. Erwachsene lächeln, wenn sie flirten, wenn sie sich für  Peinlichkeiten
entschuldigen oder auch nur aus Höflichkeit. Lachen kann  aggressiv sein und
Menschen aus einer Gruppe ausschließen. Es kann  auch dazu  dienen, ohne körperliche Gewalt eine Rangordnung in einer Gruppe festzulegen.


Lachen  und  Lächeln könnte in der  Evolution aus dem  Zähne-Zeigen bei  Tieren
hervorgegangen sein: Ein solches Anzeichen von Aggression entspricht dem  Zähne-Zeigen  gegen  einen  gemeinsamen  Feind und dies kann den Gruppenzusammenhalt stärken. Dieser  Gedanke  stammt  übrigens  nicht  von  Konrad  Lorenz, sondern  aus dem Buch Der  Fürst von Niccolo Machiavelli. Lachen  kann  damit auch Abweichler in einer  Menschengruppe bestrafen.


Die Bücher von Irenäus Eibl-Eibesfeldt enthalten viele Bildsequenzen über das Lächeln bei Flirt bei indigenen Völkern: Bei den Yanomami-Indios des Amazonas, bei den Himba in
Namibia und bei den Eipo in Irian-Jaya/West-Neuguinea. Professor Eibl-Eibesfeldt hat das menschliche Verhalten analysiert und im Kontext der Evolution gedeutet.


Im Jahr 2009 publizierten Marina Davila Ross, Michael Ovren und Elke Zimmermann die Arbeit Reconstructing the Evolution of Laughter in Great Apes and Humans in der Zeitschrift Current Biology , Band 19, Ausgabe13, Seiten1106-1111, 14.Juli (Anmerkung von mir: Monkey ist das englische Wort für Affe , und Ape oder Great Ape bedeutet Menschenaffe ). Darin wurden die Lautäußerungen von Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans im Baby- oder Jugendalter sowie von menschlichen Säuglingen verglichen, nachdem man sie gekitzelt hatte (englisch tickling ). Auch Siamangs, eine Gibbon-Gattung, wurden in diese Studie eingeschlossen (Anmerkung von mir: Siamangs sind meistens monogam, und bei der Ordnung Primaten kommt Monogamie häufiger vor als bei jeder anderen Säugetier-Ordnung: Ich merke das an dieser Stelle an, weil bei Menschen das Anlächeln sehr wichtig beim Flirten bzw. bei der Partnersuche ist). Die Autorinnen und der Autor konnten zeigen, dass die Ähnlichkeit der Lautäußerungen (also das Kichern nach dem Gekitzelt-Werden) zwischen den Menschen-Kindern und dem Menschenaffen-Nachwuchs umso größer war, je näher die entsprechende Art genetisch mit homo sapiens verwandt ist: Am ähnlichsten sind uns die Bonobos und die Schimpansen, dann kommen die Gorillas, dann die Orang-Utans und dann die Siamangs, eine der vier rezenten (noch nicht ausgestorbenen) Gibbon-Gattungen (Anmerkung von mir: Man nennt die Gibbons kleine Menschenaffen , englisch Lesser Apes im Gegensatz zu den Great Apes , es gibt zwanzig Gibbon-Spezies).


Übrigens gibt es einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Schimpansen und uns Menschen: Wenn Schimpansen die Zähne zeigen, dann haben sie Angst, fühlen sich
bedrängt, zeigen Aggression. Man nennt das die Angst-Grimasse . Ich verweise meine
Leser*innen auf die Internetseite des Chimpanzee-Sanctuary Northwest (Schimpansen-Asyl bei Seattle):
https://chimpsnw.org/about-us


Schimpansen erkennen also unser menschliches Lächeln nicht als Geste der Zuneigung, und auch wir Menschen müssen wissen, dass ein Schimpanse, der uns anlächelt , gestresst und gereizt ist.


Mein Artikel wäre nicht vollständig ohne die Erwähnung der drei Pionierinnen der
Menschenaffenforschung: Jane Goodall (Schimpansen), Birute Galdikas (Orang-Utans) und Diane Fossey (Gorillas), die so tragisch ermordet wurde. Es ist kein Zufall, dass kein Mann darunter ist: Menschenaffen-Männchen greifen nämlich Menschen-Männer an, Menschen-Frauen aber nicht, und der Mentor dieser drei berühmten Frauen, Louis Leakey, wiederholte immer wieder sein Credo: Frauen  beobachten besser als Männer, sie sind scharfsinniger und besser imstande, Einzelheiten zu erkennen, die im Augenblick unerheblich scheinen mögen. (Untersuchungen weisen darauf hin, dass das zutreffen könnte, zumindest bei Nord-amerikanerinnen). Außerdem sind Frauen geduldiger..." Leakey selber bewies Humor: Er nannte seine drei Schützlinge Trimates .


Dieses Zitat stammt von Seite 60 des Buches Meine Orang-Utans" von Birute M. Galdikas (Scherz-Verlag, 1995, im englischen Original Reflections of Eden , Little Brown Verlag,
Boston). Jane Goodalls Buch Ein Herz für  Schimpansen erschien 1991 im Rowohlt Verlag, im englischen Original Through a Window. Thirty Years with the Chimpanzees of Gombe, und Diane Fosseys Buch Gorillas im Nebel erschien 1989 im Kindler Verlag, im englischen Original Gorillas in the Mist, 1983.


Ich bin kein studierter Ethologe, aber ich denke, dass es spezifisch menschliche
Verhaltensweisen gibt, die bei den Menschenaffen, die uns genetisch so unglaublich ähnlich sind, keine gleichwertige Entsprechung haben: Wir lächeln, kichern, lachen, und wenn wir ausgelacht werden oder Angst davor haben, dann errröten wir.


Abgesehen davon haben wir Menschen Sprache und Musik, kein Affe singt und tanzt. Dieses Thema liefert genug Stoff für weitere Artikel, und hat mit dem uns Menschen eigenen Humor nur am Rande zu tun. Ganz so ist es nun auch wieder nicht: Wir fühlen uns
automatisch zu Mitmenschen hingezogen, die unsere Art von Humor und unseren Musikgeschmack teilen.


Jenseits aller gelehrten Abhandlungen gilt die Beobachtung: Wenn wir lächeln, dann geht es uns automatisch besser, und wenn wir uns ärgern, wird alles noch schlimmer.



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