Wirklich komisch

Abwechslungsreich und lebhaft

Wenn es eines Beweises bedarf, dass Clowns in Krankenhäusern einen wichtigen Dienst tun, dann kann das Buch Wirklich komisch herbeigezogen werden. Denn Fey hat mit dem abwechslungsreichen und lebhaften Buch die Wirkungskraft der Clown-Arbeit in das Rampenlicht gerückt. Es ist ein wichtiges Buch für all diejenigen, die sich um den therapeutischen Humor mühen.

Apropos Mühe Feys Buch ist alles andere als mühevoll zu lesen. Es ist ein großes Vergnügen. Es gelingt Fey, aus seinem großen Erfahrungsschatz als Clown zu schöpfen, gleichzeitig aber auch der Arbeit eine große Seriösität zu geben. So berichtet er unter anderem über zahlreiche wissenschaftliche Studien, die zur Clown-Arbeit gemacht worden sind.

In seinem Geleitwort nennt der Mediziner und Kabarettist Eckhart von Hirschhausen Clowns Joker der Zuwendung (S. 11). Fey unterstreicht diese Sichtweise durch viele Praxisbeispiele, die sich der Evidenz-Basierung der Schulmedizin entziehen. Fey zeigt auf, dass die Interaktionen eines Clowns ein Wechselspiel mit sich und dem Gegenüber sind. Voraussetzung für empathisches Verhalten sei der gute Kontakt des Clownspielers zu sich selbst und zu seinen Gefühlen. Nur wer sich spüre, der könne auch andere Menschen spüren (S. 36). Als Clown zu improvisieren setze voraus, die eigene Aktion immer in Relation zu den Reaktionen derer zu setzen, die an der Aktion beteiligt sind (S. 37).

Fey schafft es mit dem Buch, sich als Expeditionsführer vorzustellen. Er stimmt die Leserin und den Leser immer wieder auf das Abenteuer Clown-Arbeit ein. Er zeichnet die grundsätzlichen Konturen der Clown-Arbeit. Er stellt die eigene Welt der Krankenhäuser vor. Gleichzeitig zeigt er auf, wie wertvoll der therapeutische Humor und das Handwerkszeug der Clowns sein kann.

In einer Klinik sind Medikamente und Injektionen für Interventionen sinnvoll, die der Gesundheit der Kinder nutzen sollen. Den Clowns spricht Fey die Fähigkeit zu, eine Vitalitätsspritze zu sein. In dem Miteinander des Clown-Doktor und des jungen Patienten gehe es um die Magie des Augenblicks . Clowns seien klinische Fremdkörper (S. 136), die im Zeichen eines Perspektivenwechsels unterwegs seien. Pflegende und Mediziner schauten auf die Blinddarmentzündung und das Schädel-Hirn-Trauma. Clowns schauten auf die gesunden Anteile eines Kindes. Sie veränderten die Atmosphäre im Krankenzimmer, könnten emotional aus der Klinik entführen und mit ihnen in eine andere Welt abtauchen (S. 136).

Das Fey-Buch liest sich nicht nur als ein Manifest der Fröhlichkeit. Fey zeigt sich nicht nur als Botschafter der lebensnotwendigen Polarität von Heiterkeit und Traurigkeit in einer unruhigen klinischen Welt. Es ist ein Plädoyer, die Genesung eines Menschen und insbesondere eines Kindes mit unkonventionellen Ideen zu unterstützen. Es reicht halt nicht, sich der Pharmakologie und medizinischen Heilkunst allein zu vertrauen.

Wer sich mit dem therapeutischen Humor und seinen vielen Facetten beschäftigt, der wird zahllosen, sich wiederholenden Ermutigungen begegnen. Feys Buch wird auf lange Sicht mit seiner Lebhaftigkeit und Gründlichkeit überzeugen. Er spricht diejenigen an, die ernsthaft und wissenschaftlich denken und lesen. Er gewinnt die Aufmerksamkeit derjenigen, die eher praktisch denken und fühlen. Sein Buch ist für viele eine Fundgrube der Erkenntnis.

Ulrich Fey: Wirklich komisch Wenn Clowns Kinder im Krankenhaus besuchen, Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-86321-387-9, 240 Seiten, 19.95 Euro.


(C) 2013 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken