Macht Glauben glücklich?

Thomas Holtbernd

Lasset uns warten Heiter-gelassen durch den Advent

Echter-Verlag, Würzburg 2007

ISBN 978-3-429-02933-3

142 Seiten

 

 

Von Hektik und Unruhe ist für die meisten Menschen die Adventszeit geprägt. Der Psychologe und Theologe Thomas Holtbernd gehört zu jenen Schriftstellern, die ein Gegengewicht gegen die gesellschaftlichen Strömungen schaffen wollen. Dass Holtbernd einen heiteren und gelassenen Gang durch die Vorbereitungszeit auf Weihnachten ebnen will, ist nachvollziehbar. Schließlich gehört Holtbernd zu den Buchautoren im deutschsprachigen Raum, die sich auf hohem Niveau ernsthaft mit dem Humor auseinandersetzen.

Lasset uns warten versucht eine witzige Wanderung in Richtung Weihnachten. Dabei dokumentiert Holtbernd eine gesunde und belebende Frömmigkeit. Für jeden Dezember-Tag bis Weihnachten hält Holtbernd Nachdenklichkeiten und Heiterkeiten parat. So kommt der aufmerksame Leser ins Grübeln, wenn er von den Parallelen zwischen der Adventszeit und der Karnevalszeit liest. Holtbernd schreibt: Die Kombination der besinnlichen Adventszeit mit der Eröffnung der Session könnte den Frommen dazu führen, dass er seine gewohnten frommen Eindeutigkeiten lassen kann. Wenn er sich für die Widersprüchlichkeiten seines Glaubens öffnet, kann er lassen, was ihn von seiner Gelassenheit fortführt. Denn Frömmigkeit ist nicht unbedingt das Einhalten frommer Übungen, sondern die Bereitschaft, sich wach zu halten für das, was ihn anspricht und sei es Gott.

Es ist nicht nur die Methodik, mit der das Buch Lasset uns warten von Thomas Holtbernd überzeugt. Seine essayistischen Bemerkungen sind stets begleitet von Evangelientexten aus dem Neuen Testament wie von Tipps zu praktischen Übungen. So findet der interessierte Leser seinen eigenen Weg zum Geburtsfest Jesu Christi. Und sein etwas anderer Adventskalender ist immer wieder ein Rückblick in die Kirchengeschichte und Frömmigkeitshistorie der katholischen Tradition. Holtbernd macht deutlich, dass Glaube nicht eine lustige und heitere Sache zu sein scheint.

Mit gesellschaftskritischen Bemerkungen hält sich Holtbernd nicht zurück. So meint er: Einen Ort der Stille kann man in den Städten kaum finden, in jedem Geschäft wird man mit Weihnachtsmusik terrorisiert und manchmal kann man einen Amokläufer verstehen, der diesem ganzen Treiben ein Ende machen möchte ... Die Alternative ist die Freude. Man wird wahrscheinlich mit dieser Freude von den meisten nicht verstanden, die im Vorweihnachtsstress sind.... Wer trotzdem Freude zeigt, wird schon fast als Narr bezeichnet.

Holtbernd schafft es mit seinem Buch Lasset uns warten einmal mehr, einen anderen Blick auf ein Phänomen der Gegenwart zu werfen, wie es ihm mit anderen Veröffentlichungen auch gelungen ist. Der Humorexperte wird genauso spürbar wie der Psychologe. Und tief in seinem Herzen ist er ein frommer Theologe geblieben, der in den richtigen Situationen die richtigen Worte findet: Wenn dann alle Geschenke ausgepackt sind ... und die Weihnachtstage fast schon wieder vorüber sind, leuchtet in einer stillen Stunde vielleicht doch der Stern von Bethlehem auf ... Möglicherweise sind die Weisen (aus dem Morgenland) der größte Trost für das Weihnachtsfest: viel erwarten, wenig bekommen und sich am Einfachen ergötzen, weil die Begegnung mit dieser merkwürdigen Familie eine ganz andere Dimension eröffnet. Vergleichbar mit Holtbernds Buch Lasset uns warten .

Christoph Müller, Andernach


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