Kleine Philosophie des Lachens

Andreas Michel-Andino

Kleine Philosophie des Lachens Ein Essay über das Phänomen des Komischen

Verlag Dietmar Fölbach, Koblenz 2000

ISBN 3-934795-03-X

96 Seiten

 

 

Der Titel wirkt gewaltig. Die Lektüre fällt dagegen leichter. Michel-Andino macht rechtzeitig klar, was er unter dem Begriff des Philosophischen versteht. Philosophie sei nichts anderes als eine sehr grundlegende, radikale Art über ein bestimmtes Thema nachzudenken. Diesem Anspruch wird Michel-Andino gerecht. Nachdem er einen philosophiehistorischen Spaziergang durch die Spielarten des Komischen und des Lachens gemacht hat, wagt er eine Beschreibung des Verhältnisses der Religionen und des Lachens. Ein Berührungspunkt könne sein, dass sehr häufig Clowns und Narren als religiöse Figuren gedeutet und andersherum auch religiöse Figuren mit clownesken Elementen ausgestattet wurden . Der umstrittene Gipfel sei die Bezeichnung Jesu als Idioten von Friedrich Nietzsche. Michel-Andino differenziert: Der gelernte Altphilologe verwendete den Terminus in seiner altgriechischen Bedeutung als Privatmann. Ein solcher Privatmann war jemand, der sich selbst außerhalb der Polis stellte, sich dem Gemeinwesen nicht unterordnete und dadurch Anstoß erregte ... Das alles sind sehr wohl jesuanische Ziele gewesen, die er mit der Selbstbezeichnung Eckstein zum Ausdruck brachte.

Michel-Andino verdeutlicht am Beispiel der Religion, wo sich der Ort des Witzes findet. Der religiöse Witz entstehe dort, wo eine Religion besonders restriktiv ist und es eine machthabende Gruppe gebe. Der religiöse Witz entstehe als Reaktion auf eine zu starke Reglementierung durch die eigene Religion. Michel-Andino erzählt, worum es bei einem gelingenden Humor für ihn geht. Die harmonische Verbindung von ernsten, tragischen oder aggressiven Elementen mit niveauvoller Komik sei das Geheimnis grosser Kunst im humoristischen Bereich. Dies unterstreicht auch die Erinnerung an den von Kant bemerkten Charakter eines Ausgleichs für die Härten menschlicher Existenz. Er erinnert an trauernde Menschen, die durch das Lachen eine Urlaub vom Schmerz machten. Erst das Lachen mache ein kurzes Eintauchen in eine andere, bessere Welt, die real zwar nicht existieren mag, aber durchaus in der Lage ist, diese unsere Realität ein nicht unbeträchtliches Stück zu beeinflussen .

Ein Essay, der für Anregungen gut ist.

Christoph Müller, Walsrode


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