Humor im therapeutischen Prozess

Eckhard Lotze

 

Humor im therapeutischen Prozess Dimensionen, Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen für die Pflege

 

Mabuse-(Verlag) 2013, 2. Auflage

 

ISBN 978-3-935964-19-7

 

153 Seiten

 

 

Die Faszination des Humors in der therapeutischen Anwendung ist eine Sache. Eine andere Sache ist die Integration in das Pflegeverständnis. Dazu hat Eckhard Lotze einen entscheidenden Beitrag geleistet. Denn die Grundlage für die Einführung des therapeutischen Humors bilde in jedem Fall ein verändertes Pflegeverständnis der Pflegenden selber, meint Lotze in seiner pflegewissenschaftlichen Diplomarbeit. Die Idee langfristig grösserer Autonomie der Pflege durch ein Konzept wie das des Humors müsse zu diesem Zweck in der Pflege publik gemacht werden. Lotze: Humor kann ... eine therapeutische Basiskompetenz von Pflegenden werden."

Lotze gelingen seine Begründungen für die Profilierungen des pflegerischen Berufsstandes. Er meint, als Handlungskompetenz von Pflegenden rücke die konkrete Hilfeleistung heute eher in den Hintergrund. Im Mittelpunkt stehe die Fähigkeit zur Beziehungs-, Prozess-und Situationsgestaltung. Lotze: "Die reflektierte Anwendung von Humor kann helfen, verfahrene Pflegesituationen zu entspannen, die Pflegebeziehung zu stärken und Pflegeprozesse positiver zu gestalten." Er wagt es, einen Paradigmenwechsel in der Pflege als Chance für den Humor zu sehen, da die Ressourcenorientierung in den Vordergrund, die Krankheitsorientierung in den Hintergrund rücke. Es werde versucht, "eine Brücke zwischen dem therapeutischen Humor samt seiner Wirkungszusammenhänge und den generellen Anforderungen an eine professionelle Pflegepraxis" zu schlagen.

Was Lotze mit dem Blick auf die "Provokative Therapie" von Frank Farrelly formuliert, sollte auf die gesamte Anwendung therapeutischen Humors gelten. Als Voraussetzung jeder Provokation müsse dem Klienten die nonverbalen Botschaften eindeutig als positiv ihm gegenüber klar sein. Besondere Betonung gebührt Lotzes Feststellung, dass Humor eine Haltung zur Welt sei. Gleichzeitig sei Humor ein bestimmender Faktor sozialer Interaktion. Die Vorteile einer Anwendung des therapeutischen Humors sind nicht zu unterschätzen, wie Lotze äussert. Humor begünstige die kooperative Ausrichtung des Pflegehandelns. Humor könne als Selbstpflegeaktivität des Menschen angesehen werden. Er steigere das subjektive Wohlbefinden und begünstige eine positive Bewältigung von Stress.

Pflegenden ist Mut zu wünschen, das durch von Lotze als erstrebenswert vermittelte Ziel zu erreichen. Wachsendes Interesse der Pflege am Humor bedeute, "dass sie Kompetenzen für ihre Arbeit hinzugewinnt, die unabhängige Pflegehandlungen erlauben". Dieses angenehm subversive Ziel erscheine visionär, aber nicht utopisch und biete eine emanzipatorische Chance für die Pflege, die sie wahrnehmen könne, "solange sich nicht andere interessierte Berufsgruppen des Themas vollends bemächtigen".

Humor werde sich "hoffentlich als zutiefst humane, gesundheitsfördernde Grundhaltung in der Pflege etablieren und eine ihm gebührende Würdigung für eine professionelle Beziehungsgestaltung bekommen", meint Lotze. Lotze hat eine solide Hinführung zur Anwendung therapeutischen Humors in der Pflege geschrieben, die Aufgaben für die Zukunft beschreibt. Wer in der Pflege etwas auf sich hält, wird an diesem Buch nicht vorbeikommen.

Christoph Müller, Walsrode


(C) 2013 - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken