Humor als Intervention, die Betreuung verändert

Mieke Janssens

Humor als Intervention, die Betreuung verändert Spass mit Menschen, die mit einer geistigen Behinderung leben

dgvt-verlag, Tübingen 2010

ISBN 978-3-87159-115-0

144 Seiten

 

 

Es gibt nur wenige Bücher, die so sehr den Atem des beruflichen Alltags hauchen, wie das vorliegende Werk Humor als Intervention, die Betreuung verändert . Und es gibt nur wenige Bücher, bei denen der Untertitel treffender formuliert ist als der eigentliche Buchtitel. Mieke Janssens hat aus dem Vollen geschöpft, aus vielen Jahren lebendiger Vor-Ort-Arbeit und Beratungs-tätigkeit. Das Buch Humor als Intervention, die Betreuung verändert ist als absolute Überzeugungstat zu verstehen.

Janssens weiss Entscheidendes zu formulieren, wenn sie formuliert, Betreuer müssten darauf achten, dass sie ihre erwachsenen Klienten trotz ihrer manchmal kindlichen Verhaltensweisen nicht wie Kinder behandeln . Deutlicher: Trotz ihrer Beeinträchtigung sind die meisten Klienten aufgrund ihrer Lebenserfahrung zu Tätigkeiten und verantwortungsbewussten Handlungen in der Lage, die ein Kind schwerlich bewältigen würde. Mit dem Blick auf den Humor konkretisiert Janssens zu Recht: Humorvolle Interventionen, die Betreuungsprobleme lösen sollen, müssen die physischen und mentalen Fähigkeiten des Klienten berücksichtigen.

Die Autorin geht sogar so weit, dass sie die Professionellen ermutigt, in die Schuhe der Betroffenen zu schlüpfen. Ihre Problembeschreibung: Offensichtlich entstehen viele Betreuungsprobleme dadurch, dass Betreuer ihre eigenen intellektuellen Fähigkeiten auf Klienten projizieren und sie damit überschätzen. Betreuer von Menschen mit geistigen Behinderungen haben einen Beruf gewählt, bei dem simples Denken, Reden und Tun wichtig sind, um eine gute Betreuung zu gewährleisten. Betreuer sollten sich daher ihrer eigenen Persönlichkeit und ihrer intellektuellen Fähigkeiten bewusst sein.

Janssens schaut immer wieder in die Vergangenheit und erzählt von Selbsterlebtem. So wird nachvollziehbar, was Janssens mit humorvollen Interventionen meint. Sie unterstreicht, dass der Klient den Humor des Betreuers versteht und darüber lachen kann . Sie spricht vom sozialen Spiel : Gemeinsames Lachen schafft Nähe zwischen Klient und Betreuer. Den Begriff soziales Spiel kann man hier ganz wörtlich nehmen.

Auch wenn Janssens den Humor als Methode verstehen will und sich auch für sehr planbare Anwendung ausspricht, so ist dies die eine Seite der Medaille. Bei ihren Ausführungen wird jedoch auch deutlich, dass die eigene Person bei der Anwendung des Humor wichtig ist und der Begriff der Haltung einmal mehr eine grosse Bedeutung bekommt. Und wenn der lebendige Mensch ins Spiel kommt, dann ist klar, dass der Spass in den Blick gerät.

Christoph Müller


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