Heilsamer Humor

Ludwig Lambrecht / Michael Titze

Heilsamer Humor Ein Arbeits-, Spiel-und Lesebuch

HCD-Verlag, Tuttlingen 2011

ISBN 978-3-938089-04-0

165 Seiten

 

 

Wenn die beiden Autoren bei der gemeinschaftlichen Entstehung des Buchs Heilsamer Humor keine Freude und belebenden Gespräche miteinander gehabt haben, dann wäre aus dem Buch ein Zeugnis von Traurigkeit und Resignation geworden. Denn das Buch Heilsamer Humor aus der Feder des Psychotherapeuten Michael Titze und des Pädagogen Ludwig Lambrecht ist ein Beleg dafür, dass die Autoren grosse Freude aneinander und am Arbeiten gehabt haben müssen. Sie verbinden die theoretische Fundierung und die praktische Anwendung des therapeutischen Humors auf eine gelingende Weise. Auch wenn sie Freude am Spiel und an der Kreativität entwickeln, so haben Lambrecht und Titze eine klare gedankliche Struktur durchgehalten, um die Leserin bzw. den Leser für den therapeutischen Humor zu begeistern.

Die vielen Themen des therapeutischen Humors werden mit einer flüssigen und lebendigen Schreibe dem neugierigen Leser nahegebracht. Im Anschluss an erläuternde Worte, die die Freude an der Sache und der wissenschaftlichen Grundhaltung widerspiegeln, finden sich immer auch praktische Übungen, die immer auch tief geerdet zu sein scheinen. Das Buch Heilsamer Humor ist eine leichte Kost ohne den Sinn für intellektuelles Nachdenken und Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Den Autoren ist anzumerken, dass der therapeutische Humor für sie mehr bedeutet als Klinik-Clowns und Lachyoga.

Wenn man beispielsweise das Kapitel über Paradoxe Interventionen in der Psychotherapie liest, hat man den Eindruck, dass sich dort ein Kerngedanke des Buchs Heilsamer Humor wiederfindet. Lambrecht und Titze schreiben: Ein wichtiges Anliegen paradoxer Psychotherapie ist deshalb, den Klienten zu einer radikalen Kursänderung zu veranlassen. Durch absichtliche oder willentliche Produktion des bisher störenden Verhaltens wird also eine Umstellung vorgenommen, der aus der Perspektive der Alltagsvernunft widersinnig erscheinen muss: Und doch ist gerade das die Voraussetzung dafür, dass der Klient nicht mehr von seinem Symptom unter Kontrolle gehalten wird, sondern dass er selbst es jetzt ist, der dieses Symptom kontrolliert . Deshalb hat Viktor Frankl festgestellt: Am allervernünftigsten ist es, nicht besonders vernünftig zu sein.

Man hat einfach Freude, das Buch Heilsamer Humor in die Hand zu nehmen. Viele aussagekräftige Karikaturen und Fotografien säumen den Weg durch die Welt des therapeutischen Humors. Es gibt eine erfrischende Balance zwischen Theorie und Praxis. Lambrecht und Titze bringen viele Begriffe zur Sprache, die viele Autorinnen und Autoren beim therapeutischen Humor vermissen lassen. Ob es die Reduktion , die Paradoxien und das Humordrama sind, Lambrecht und Titze thematisieren vieles und dies mit einer philosophischen Tiefe, die viele Autorinnen und Autoren vernachlässigen. Als Ermunterung ist geradezu zu verstehen, wenn sie schreiben, der Zwang zur Unauffälligkeit sei out. Lambrecht und Titze schaffen es auch, dem Leser den Raum zum eigenen Nachdenken und Handeln zu geben, den ein jeder braucht. So hat man während der Lektüre immer auch das Gefühl, dass sie die Inhalte immer nur bis zu dem Punkt denken wollen, an dem eine inhaltliche Abrundung stattfinden würde. So bleiben Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung . Schade ist nur, dass ein Inhaltsverzeichnis fehlt. Dies erschwert das Immer-wieder-zur Hand-nehmen des Buchs, was es ja gerade provoziert.

Dem Buch Heilsamer Humor ist eine grosse Leserschaft und eine Vielzahl von Nachahmungen zu wünschen. Es setzt Wegmarken.

Christoph Müller


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