Die Humorstrategie

Michael Titze / Inge Patsch

 

Die Humorstrategie Auf verblüffende Art Konflikte lösen

 

Kösel Verlag, München 2004

 

ISBN 3-466-30673-6

 

191 Seiten, 15.95 Euro

 

 

 

Was ist es, was die Humorstrategie ausmacht? Eine Verknüpfung intuitiver, spielerischer, kindlicher Verhaltensmuster mit rationalen, ernst- und gewissenhaften Herangehensweisen. Doch was heißt dies konkret? Wer den Pfaden von Inge Patsch und Michael Titze folgt, hat die Chance, eine schlüssige Antwort darauf zu finden. Was die beiden Humorexperten mit der Unterstützung praktischer Beispiele klar machen, kann im Rahmen einer Besprechung nur verbal verkürzt vorgestellt werden.

"Wir können uns in der Balance von Spielbein (Gefühl) und Standbein (Vernunft) üben und dadurch Wege erproben, die uns den Alltag gewinnend bewältigen lassen", schreiben Patsch und Titze. Dies sei die beste Voraussetzung, um dauerhaft in den Genuss von Lebensfreude zu kommen. Dabei sprechen die beiden von E-Strategien, die an viele Rollen gebunden seien, "die wir als Erwachsene zwangsläufig übernehmen müssen", und von K-Strategien, die unbewussten Methoden der Selbstbehauptung aus der Kindheit.

Sie sprechen davon, die Reduktion der Perfektion vorzuziehen. Wer die Autobahn der Normalität bewusst und gelassen hinter sich lasse, gehe allerdings das Wagnis der Unvollkommenheit ein. Die Grenzüberschreitung erfordere den Mut, "zum Außenseiter oder Aussteiger zu werden". Sie raten dem Leser: "Wer im Bezugssystem vernünftigen Erwachsenendenkens nicht mehr so recht weiterkommt, sollte sich zuweilen im weniger vernünftigen Bezugssystem des Kindes umsehen."

Kreativ ist prompt auch die Konzeption des Buchs "Die Humorstrategie". Denn Titze und Patsch erzählen zwischendurch immer wieder Witze, schlagen in Kästchen Übungen vor, wie man sich eine Humorstrategie aneignen kann. So ermuntern sie, das Äußere zu verändern, oder laden ein, eine "Münchhauseniade" zu veranstalten. Paradox wirkt beispielsweise, die Technik humoristischer Affirmation anzuwenden. Wörtlich: "Die Technik humoristischer Affirmation beruht auf dem Prinzip vorbehaltloser Bestätigung jedweder Kritik, indem sämtliche Vorwürfe lachend bestätigt werden, zum Beispiel mit den Worten: "Du hast völlig Recht! Ich weiß, ich bin völlig unmöglich!""

Wichtig erscheint die Bemerkung: "Für Humor gilt: Das Zulässige vom Unzumutbaren und die Menschenwürde von der Menschenverachtung sind zu trennen. Spaß ergibt sich nur dann, wenn das Lachen von Herzen kommt und nicht auf Kosten anderer geht." Ein Buch, das Appetit auf Humor macht in der alltäglichen Anwendung."

Christoph Müller, Walsrode

Endlich!

Endlich ist es da, das Buch, dessen Existenz ich mir schon seit vor über einem Dutzend Jahren gewünscht habe, das ich aber nicht in der Lage war, selbst zu verfassen, weil mir der dazu notwendige theoretische Background fehlte.

In seinem neusten Buch bringt Michael Titze mit seiner Co-Autorin Inge Patsch das zusammen, was er und ich 1991 erstmals gemeinsam zusammen zu bringen versucht haben: Theorie und Praxis des Humors.

Im ersten von fünf Teilen findet der Leser in der "Humor-Strategie" einige theoretische Voraussetzungen für die These, dass der Alltag am besten mit heiterer Gelassenheit zu meistern ist und dass diese vitale Grundlebenseinstellung im Spannungsfeld von kindlicher Affektivität und der Vernunft des Erwachsenen gefunden werden kann. Wenn die "Unvernunft" des Kindes mit dem abwägenden Ernst - der "Vernunft" - des Erwachsenen verschmilzt, entsteht aus diesem Widerspruch jene souveräne und heitere Stimmung, welche die Angst einflössenden Probleme des Alltags in Papiertiger verwandelt, die sich mit einem Lächeln unschädlich machen lassen.

Schon Viktor E. Frankl sagte: "Am allervernünftigsten ist es, nicht allzu vernünftig sein zu wollen!" Seit diesem Satz sind Jahrzehnte vergangen. Eine noch junge Wissenschaft, die Gelotologie (von griech. Gelos = das Lachen), widmet sich der Erforschung der Auswirkungen des Lachprozesses auf die Körperchemie. Dabei sind erstaunliche Erkenntnisse gemacht worden. Beispielsweise stärkt das Lachen das Immunsystem, löst Verspannungen der Muskulatur, verbessert die Durchblutung des Herzens und den Sauerstofftransportes, fördert die Ausschüttung von Endorphin, dem sogenannten Glückshormon, von Katecholamin, einem entzündungshemmenden Hormon, und verändert die Balance der Neurotransmitter so, dass depressiven Verstimmungen vorgebeugt wird.

Solche Entdeckungen finden sich auch in anderen Publikationen. Das große Verdienst von Titze und Patsch besteht meiner Meinung nach darin, dass sie uns nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lachen und Staunen bringen.

"Stottern Sie eigentlich immer so?" fragt der Logopäde.

"Gott sei Dank nur, wenn ich spreche!"

René Schweizer, Basel
 


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