Das kann ja heiter werden

Iren Bischofsberger

 

Das kann ja heiter werden - Humor und Lachen in der Pflege


Verlag Hans Huber

 

Göttingen 2002


ISBN 3-456-83831-x

 

24.90 Euro  287 Seiten

 

 


Pflegende sind immer wieder Menschen, die sich darauf beschränken, ihre Arbeitsroutine zu erledigen. Welche Gründe dies hat, sollte hier keine Vertiefung erfahren. Vielmehr gehört das Engagement jener Krankenschwestern und Krankenpfleger in das Bewusstsein der Allgemeinheit, die die gewohnten Wege hinter sich lassen. Die Schweizer Krankenschwester Iren Bischofsberger ist zu den Professionellen jenseits der Konventionen zu zählen. Denn Bischofsberger ist einer der wenigen Menschen im deutschsprachigen Raum, die sich mit dem Humor und Lachen in der Pflege beschäftigen.

Mit dem Humor sieht Bischofsberger "ein Pflegekonzept im Aufwind". In der Praxis sei Humor "als Emotion und emotionale Unterstützung von Patientinnen und Patienten eine wichtige Strategie". Humor helfe, Normalität ins Leben zu bringen. Professionell Pflegende könnten einen entscheidenden Beitrag leisten, in dem sie Humor und Lachen "ganz normal" einfliessen liessen. Mit diesem Ansatz ist Bischofsberger Recht zu geben. Weniger recht hat sie, wenn sie den Humor als Konzept verkauft. Denn aus der Sicht des Rezensenten wirkt diese Sichtweise zu funktionalistisch und zu mechanistisch. Humor gehört eher als Ausdruck einer Haltung vertreten.

Mit dem Blick auf chronisch psychisch Kranke formuliert Bischofsberger, schizophrene Patienten könnten manchmal die Abstraktion von Witzen kaum verstehen. Sie seien aber in der Lage, "die positive und warmherzige Atmosphäre von Heiterkeit wahrzunehmen und zu schätzen. Lässt man sie teilhaben an diesem heiteren Klima, so kann sich ihr Selbstwertgefühl deutlich verbessern".

Natürlich konkretisiert Bischofsberger die Humorfrage auf die professionell Pflegenden. Sie wollten Humor und Scherzen "nur zögernd" als Teil professionellen Handelns bezeichnet haben. Bischofsberger wagt es in Anlehnung an Patricia Benners "From novice to expert" zu behaupten, "dass Pflegefachpersonen reflektierte und jahrelange Erfahrung benötigten, um ihrer Intuition für den Humorgebrauch in der Pflege vertrauen zu können". Sie spricht für Mut zum Risiko aus. Pflegeprofis sollten sich ein Repertoire von Humorinterventionen aneignen. Denn wenn man um die positiven Wirkungsmöglichkeiten wisse, könne Humor und Lachen kaum dem Zufall überlassen bleibe oder als nettes Supplement der professionellen Pflege betrachtet werden.

Bischofsberger ermuntert, im Kontakt mit den Angehörigen von Gepflegten Humor einfliessen zu lassen. Sie schreibt: " Für Angehörige kann es sehr erleichternd sein, wenn sie beim Pflegepersonal Humor spüren und Lachen hören. Das vermittelt ihnen das Gefühl der Leichtigkeit und Erleichterung. Nicht selten nehmen die professionell Pflegenden eine Katalysatorfunktion ein, um Humor zum Leben zu erwecken." Bischofsberger hat sogar einen Standard für Humor und Lachen in der Pflege erarbeitet. Ihr Buch ist eine ermunternde Anregung, um sich dem Humor in der Pflege zu nähern.


Christoph Müller, Walsrode


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