Ausgelacht

Die heitere Seite nachrichtendienstlichen Arbeitens

 

Hans Hermann Hertle / Hans Wilhelm Saure (Hrsg.): Ausgelacht DDR Witze aus den Geheimakten des BND, Ch. Links Verlag Berlin 2015, ISBN 978-3-86153-844-8, 143 Seiten, 10 Euro.

 

Ist es vorstellbar, dass bei einem Nachrichtendienst gelacht wird ? Mit dem Buch Ausgelacht DDR-Witze aus den Geheimakten des BND wird nun ein wenig eine Lücke geschlossen, die die Arbeit eines Geheimdienstes auch ausmacht. Der Historiker Hertle und der Journalist Saure haben einen Blick auf die andere, ja heitere Seite nachrichtendienstlichen Arbeitens geworfen. Es ist ihnen eine Publikation gelungen, die überrascht. Aus dem Schmunzeln kommen die Leserin oder der Leser nicht heraus, wenn sie die Witze über Erich Honecker und das Zentralkommittee der SED lesen.

 

Dabei hat das Sammeln und Archivieren der heiteren Texte aus der DDR vor allem den Zweck erfüllt, die gesellschaftlichen Stimmungen des damaligen Arbeiter-und Bauernstaates zu bestimmen. Gelungen ist dies den nachrichtendienstlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundesrepublik sicherlich. Den heutigen Zeitgenossen irritiert jedoch, dass die heiteren Episoden bis in die Gegenwart als geheime Verschlusssachen zurückgehalten werden.

 

Hertle und Saure bedauern in einem ausführlichen Essay, dass die Zeitgeschichtsforschung im vereinigten Deutschland dem Genre des politischen Witzes keine größere Aufmerksamkeit geschenkt hat. Umso wichtiger erscheint der kleine Band, den Hertle und Saure gesammelt und geschrieben haben, als ein notwendiger Lückenfüller. Sie erinnern glücklicherweise an den früheren Osteuropa-Forscher Jörg Konrad Hoensch. Hoensch habe geschrieben, dass der anonyme politische Flüsterwitz des Volkes vermöge, die lauteste Propaganda, die gängigste Phrase, die raffinierteste Lüge zu enttarnen, den routiniertesten Dialektiker zu verunsichern und die öffentliche Meinung selbst im totalitären Staat zu beeinflussen. Wer sich durch die zahllosen Witze des Buchs liest, der wird diese Positinierung in jedem Falle unterstreichen.

 

Spannend erscheint der Umgang des DDR Regimes mit dem Phänomen des politischen Witzes durch die gut vier Jahrzehnte der Existenz hindurch. Während in den Anfangsjahren des Staates noch das Zuchthaus drohte, da man ja die Existenz des sozialistischen Staates gefährdete, wandelte sich der Umgang der Funktionäre in die Richtung, dass durch Gespräche staatstragender Menschen mit durch Witz auffallenden Menschen geführt worden sind, um diese auf die Staatslinie einzuschwören.

 

Eine gewisse Ironie ist natürlich auch mit der Tatsache verbunden, dass der Bundesnachrichtendienst als sammelnde Dienststelle den Stand der Dinge stets am 11. November eines Jahres bzw . an den Karnevalstagen an die politischen Verantwortlichen in der Bundesrepublik weitergegeben haben. Für die verschiedenen Funktionsträger in Bonn ist deren Umgang mit dem politischen Witz sicher ein Anhaltspunkt dafür, wie heiter das politische Leben mit ihnen gewesen ist. Das Buch von Hertle und Saure erinnert, mit welchen Bundeskanzlern kein entspanntes Lachen möglich gewesen ist.

 

Das Buch Ausgelacht schaut mit Heiterkeit auf die Zeitgeschichte. Dies macht die Lektüre zu einem entspannenden Erlebnis. Vielleicht sind die Arbeiten von Hertle und Saure ein Anstoß dazu, die zeithistorische Forschung mit dieser Brille anzuschauen oder auch die gegenwärtige Politik mit mehr Heiterkeit zu gestalten.

 

Christoph Müller


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