Humor in der Schmerztherapie

Humortherapie bei Schmerzpatienten

Gesunder Humor und Heiterkeit sind wichtige Ressourcen für das psychische Wohlbefinden: Auf der Gefühlsebene helfen sie, Hemmungen zu lösen und einen spontaneren Austausch von Gefühlen zu ermöglichen. Auf der Ebene des Denkens können sie die Kreativität anregen, Entscheidungen erleichtern, neue Perspektiven aufzeigen und flexibel halten. In der Kommunikation wirken Humor und Heiterkeit erfrischend, entspannend und anregend. So fördern sie wohltuende Beziehungen im Alltag und sorgen für ein erfülltes Leben.


An der RehaClinic in Bad Zurzach, besteht seit 1999 ein Humorkonzept. In seinen  Zielsetzungen soll bei den Patienten der therapeutische Humor zur Unterstützung des Rehabilitationsprozesses eingesetzt werden.


So wurde die Humortherapie durch Clown Pello in die Schmerztherapie eingeführt. Er beschreibt sein Vorgehen folgendermassen: «Ich arbeite mit einfachen Mitteln und Metaphern, mit sogenannten Humorinstrumenten. Mein Plüschhund beispielsweise, der einen Salto schlägt, steht sinnbildlich und ermutigend für den Sprung, den jemand vorwärts machen möchte». Krankheit und Klinikbetrieb können einen Menschen ziemlich einschüchtern. «Ich stelle die medizinisch-technische Sprache in Frage und vermittle komplexe Zusammenhänge vorzugsweise in Bildern, die den Patienten ganzheitlich verständlich sind. Der Hofnarr kann mit gewissen Begebenheiten freier umgehen.»


Anders umgehen sollen Schmerzpatienten auch mit ihrem Leiden. Pello: «Bei den meisten sind der Schmerz und das angehäufte Pech in ihrem bisherigen Leben, die Hauptthemen. Ihr Blick ist vorab auf das Negative gerichtet. Ich versuche die Optik zu verändern. Die Frage lautet nicht: Was geht nicht mehr? , sondern Was ist noch möglich? .» Auf diese Weise finden Betroffene leichter zur Freude und Lust am Leben. Die kindliche Seite wieder zu entdecken, sich an kleinen Dingen zu erfreuen, bilden einen wesentlichen Bestandteil der Coping-Strategie («Coping», engl. mit etwas fertig werden). «Humor ist der spielerische Umgang mit der Realität.» Pello erzählt keine Witze. Er bevorzugt die leiseren Töne.
Im Zurzacher Interdisziplinären Schmerzprogramm (ZISP) ist diese Therapieform zu einem wichtigen Bestandteil der multimodalen Therapie geworden. Die Patienten besuchen während des 4-wöchigen stationären Programms viermal 1,5 Stunden die Humortherapie. In Pellos Humorlabor bricht das Schmunzeln und Lachen, die Heiterkeit und das Nachdenken über die eigene Krankheits- und Lebenssituation die Isolation auf, entspannt und schafft einen bewussten Umgang mit den eigenen Schmerzen, mit der persönlichen Lebenssituation. So ist es konsequent, wenn Humor in seinen Ausprägungen bei kranken Menschen im klinisch-therapeutischen Bereich bewusst eingesetzt wird. Besonders Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen benötigen Strategien, um den Schmerz bewältigen zu können. Wer chronische Schmerzen hat, hat keine gewöhnlichen Schmerzen. Viele Menschen fühlen sich dann eingesperrt in eine Bleikammer .


Roberto Brioschi, Leiter Schmerzzentrum und des ZISP, macht folgende Erfahrungen:
Der therapeutische Humor oder  insbesondere die Wirkung von Humorinstrumenten, die im Bereich der Schmerztherapie eingesetzt werden, zeigen eine deutlich positive, schmerzdistanzierende und eine neue Haltung produzierende Wirkung auf den Patienten. Die Akzeptanz der Patienten im Schmerzprogramm im Bezug auf Humorinterventionen ist gut. Humor wirkt wie eine positive Bewältigungsstrategie und hilft somit dem Patienten einen neuen salutogenetischen Um- und Zugang zu seiner Krankheit zu finden. Auch in akuten Krisensituationen lassen sich mit Humorinstrumenten entspannende Wirkungen erzielen.

Ein Beispiel: Einem Patienten, der sich in einem unruhigen, agitierten Zustand befindet, ruhig begegnen, eine Vogelfeder in die Hand nehmen, die Feder fliegen lassen, die Feder dem Patienten in die offene Handfläche legen... - dabei beobachten, was mit dem Patient geschieht, seine Reaktionen spiegeln, mit der Feder weiterspielen, vielleicht ein weiteres Humorinstrument einbeziehen."

Zahme Vögel singen von der Freiheit, wilde Vögel fliegen.

 

Pello, Clown und Schmerztherapeut
Lic. Phil Roberto Brioschi, Leiter Schmerzzentrum RehaClinic, CH-Bad Zurzach